Kurilen Bobtail: sanftes Kraftpaket mit Jagdinstinkt
28.01.2026 - Lesedauer: 7 Minuten

Eindrucksvolle JĂ€gerin mit Familienanschluss - ist die Kurilen Bobtail ausgelastet, bringt sie so leicht nichts aus der Ruhe
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Eine stĂ€mmige Katze mit luchsartigem Look und einem markanten kurzen Schwanz: Die Kurilen Bobtail ist eine beeindruckende Erscheinung. Dennoch ist die Samtpfote mit dem sehr kurzen Schwanz hierzulande bislang eine recht unbekannte Rasse. Es handelt sich um eine nette, intelligente Familienkatze, die jedoch aufgrund des kurz gezĂŒchteten Schwanzes zu den Qualzuchten zĂ€hlt. Erfahre hier mehr ĂŒber das Wesen und die Herkunft der Kurilen Bobtail.
Kurilen Bobtail: Charakter
Die Kurilen Bobtail ist, ungeachtet ihres besonderen Aussehens, eine liebevolle und sanfte Katze. Von ihren Menschen erwartet sie viel Aufmerksamkeit. Wer sich fĂŒr eine Vertreterin dieser Katzenrasse entscheidet, muss daher viel Zeit fĂŒr die BeschĂ€ftigung mit ihr einplanen. AuĂerdem sollte im Haushalt noch mindestens eine weitere Katze anwesend sein, damit auch fĂŒr artgerechte Interaktion unter den Samtpfoten gesorgt ist. Einen Artgenossen gleichwertig ersetzen kann auch der beste âDosenöffnerâ nicht.
Die russische Rassekatze zeichnet sich durch ihre Schlauheit und FÀhigkeit, Situationen einzuschÀtzen aus. DemgemÀà erweist sie sich in einer ihr zusagenden Umgebung als lernfÀhig und lÀsst sich sogar trainieren. Ihre Persönlichkeit ist aufgeschlossen, auf unbekannte Besucher geht die Katze freundlich zu. Trotzdem wÀhlen sich die Kurilen Bobtails innerhalb ihrer Familie meist eine spezielle Bezugsperson aus, auf die sie sich fixieren.
Ihre Stressresistenz ist bemerkenswert: Die krĂ€ftigen Fellnasen bringt so schnell nichts aus dem Konzept. Sind im Haushalt andere Tiere anwesend, ist auch das gewöhnlich unproblematisch. Mit Kindern beweist die Samtpfote meist eine nach KatzenmaĂstĂ€ben bemerkenswerte Geduld.
Trotz ihrer Menschenbezogenheit hat die Kurilen Bobtail ein hohes AktivitĂ€tslevel und braucht ausreichend BeschĂ€ftigung. Ideal wĂ€re beispielsweise ein gesicherter Garten, in dem sie sprinten kann und Klettermöglichkeiten hat. Auch ein gesicherter Balkon kann geeignet sein. Bei der Gestaltung des AuĂen- und Innenbereichs musst du jedoch den sehr kurzen Schwanz berĂŒcksichtigen. Dieser dient normalerweise dem Gleichgewicht, welches in diesem Fall teilweise beeintrĂ€chtigt sein kann. Biete daher am besten stets BrĂŒcken, Rampen oder katzengerechte Treppen an, sodass dein Vierbeiner eine Wahl hat. Die Samtpfoten sind an sich aber sportliche Tiere, die ihre Kraft und Geschicklichkeit ausreizen mĂŒssen. Dabei tun sie sich dank ihrer starken Hinterbeine besonders als Sprungtalente hervor.
ErwĂ€hnenswert ist, dass die Kurilen Bobtail als ausgezeichnete und unerschrockene JĂ€gerin gilt, die es sogar mit Ratten aufnimmt. Solltest du auf der Suche nach einer Helferin sein, die in Haus und Hof die Nager-Population kontrolliert â zum Beispiel in einem Stall oder Getreidelager â gehört die Rassekatze zu den qualifizierten Kandidatinnen fĂŒr diese Aufgabe.
SteckbriefKurilen Bobtail
Rasse: | Kurilen Bobtail |
Herkunft: | Russland |
GröĂe: | mittelgroĂ (zwischen 23 und 30 Zentimeter Schulterhöhe) |
Gewicht: | bis 5,5 Kilogramm (Katze) beziehungsweise 7 Kilogramm (Kater) |
Körperbau: | kompakt, muskulös, stĂ€mmig, gerundeter RĂŒcken, Hinterbeine lĂ€nger als Vorderbeine |
Kopfform: | groĂ und breit, abgerundete âTrapezformâ, mittelgroĂe Ohren mit abgerundeten Spitzen und HaarbĂŒscheln an den Spitzen |
Augen: | rund und leicht schrĂ€g; grĂŒn oder gelb; blaue oder verschiedenfarbige Augen nur bei Katzen mit WeiĂ im Fell |
Fell und Farbe: | kurzes oder halblanges Fell in Blau, Schwarz, Rot, Creme mit WeiĂ, Silbern und Golden |
Fellpflege: | mehrfach pro Woche bĂŒrsten |
Besonderheiten: | geknickter oder gebogener Schwanz mit 3 bis 8 Zentimetern âsichtbarer LĂ€ngeâ |
Haltung: | Freigang empfohlen, alternativ gerÀumige Wohnung mit Garten oder Balkonnutzung |
Haltung und Pflege der Kurilen Bobtail
Ein Leben als Vollzeit-Wohnungskatze wird den BedĂŒrfnissen der Kurilen Bobtail nicht gerecht â die agilen Fellnasen hĂ€ltst du idealerweise mit Möglichkeit zum Freigang in einer katzensicheren Umgebung.
Wenn die Katze im Haus bleiben muss, biete ihr ersatzweise viel Anregung und Abwechslung mit Jagdspielen. Hohe KratzbÀume und sonstige Klettergelegenheiten sowie freie FlÀchen zum Anpirschen und Sprinten sollten auch zu Hause vorhanden sein. Auch auf Activity Feeding solltest du Wert legen, da du deine Katze auf diese Weise sowohl körperlich als auch geistig auslastest. ZusÀtzlich förderst du damit ihr arttypisches Verhalten.
Je nach FelllĂ€nge und LebensumstĂ€nden der Katze ist bei der Pflege ein gewisses MaĂ an Einsatz von dir gefordert. WĂ€hrend bei Kurzhaar-Katzen wöchentliches Striegeln reicht, solltest du bei halblangen Haaren mehrfach wöchentlich zur BĂŒrste greifen. Bei Kurilen Bobtails mit Zugang zu AuĂenbereichen sind das tĂ€gliche Absuchen des Tieres nach Zecken sowie ein guter Parasitenschutz erforderlich.
Das Futter deiner Kurilen Bobtail sollte proteinreich sein, und die Menge sollte sowohl an ihr Bewegungsniveau als auch an ihre speziellen BedĂŒrfnisse angepasst werden.
Mit einer Durchschnitts-Lebenserwartung von etwa 15 Jahren gehört die Kurilen Bobtail zu den langlebigen Katzenrassen, vorausgesetzt, es treten keine gesundheitlichen Komplikationen auf. Die Anpassung an die extremen Klimabedingungen ihrer Heimat hat den Katzen buchstĂ€blich ein âdickes Fellâ und eine robuste Konstitution verliehen. Anders als bei der Manx ist die KurzschwĂ€nzigkeit nicht mit BeeintrĂ€chtigungen des Skeletts verbunden.

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Farben der Kurilen Bobtail
Das nach dem Rassestandard erlaubte Farbspektrum der Kurilen Bobtail stellt sich recht komplex dar: Erlaubte Farben sind Rot, Schwarz, Blau, Weià sowie Creme mit Silber oder Gold. Nicht zulÀssig sind hingegen Colourpoint, Lilac, Zimt-, Reh- oder Schokoladenfarben.
Liberal geht es bei den Fellzeichnungen zu: Hier ist alles möglich. Kurilen Bobtail-Katzen gibt es als Tiger, Tuxedos, Tabbys oder Schildpatt-Katzen.
Das Fell der Kurilen Bobtail ist kurz oder halblang und seidig, dabei ist kaum Unterfell vorhanden. Langhaarkatzen fallen durch âHosenâ und eine MĂ€hne an Hals und Brust auf.
Die Geschichte der Kurilen Bobtail
Die Existenz der Kurilen Bobtail ist seit dem Jahr 1800 bekannt. Einer breiteren Ăffentlichkeit wurde die Rasse aber erst Mitte des vergangenen Jahrhunderts prĂ€sentiert, als russische MilitĂ€rangehörige sie aufs Festland brachten. Heimat der Rasse ist nĂ€mlich der Kurilen-Archipel, eine Inselkette zwischen der Halbinsel Kamtschatka (Russland) und der Insel Hokkaido (Japan). Der 1.200 Kilometer lange, aus mehr als dreiĂig Inseln bestehende Archipel zĂ€hlt politisch zu Russland.
Die NĂ€he zu Japan stĂŒtzt die Theorie, dass es sich bei der Kurilen Bobtail um eine âAuskopplungâ der Japanese Bobtail handeln könnte. Diese stummelschwĂ€nzige Katzenrasse wurde in Japan bereits Jahrhunderte zuvor gezĂŒchtet. Exemplare, die auf den Archipel gelangt waren und sich dort in der Insellage weitervermehrt haben, könnten die Stammeltern der ârussischenâ Variante sein. Dagegen sprĂ€che, dass das bei der Kurilen Bobtail fĂŒr die SchwanzlĂ€nge verantwortliche Gen auf andere Weise vererbt wird, was aber seinerseits eine weitere Mutation sein könnte. Die Katzentypen unterscheiden sich allerdings auch optisch voneinander.
Bei der Kurilen Bobtail liegt âBrachyurieâ vor, eine angeborene VerkĂŒrzung des Schwanzes (wobei dieser beweglich sein kann), einhergehend mit einer individuellen âVerlaufsformâ. Neben gezielter Zucht können besondere UmstĂ€nde â wie etwa eine isolierte Insellage â dazu fĂŒhren, dass der Gendefekt sich in der örtlichen Population etabliert. Bei der Kurilen Bobtail handelt es sich somit um eine Rasse, bei der gezielt auf diesen Defekt hingezĂŒchtet wurde.
Anders als bei der Manx ist mit der abweichenden Erbanlage keine erhöhte Sterblichkeit der Kitten verbunden â zumindest ist dies noch nicht bekannt. Bei der Zucht werden entsprechend nur reinrassige Kurilen Bobtail miteinander verpaart.
Als Katzenrasse anerkannt ist die Kurilen Bobtail von der FIfe (FĂ©dĂ©ration Internationale FĂ©line) und der TICA (The International Cat Association). ZĂŒchter finden sich hauptsĂ€chlich im Baltikum und der Ukraine, in Mitteleuropa gilt die Kurilen Bobtail derzeit noch als âExotâ.
Besonderheiten der Kurilen Bobtail
Das auffallendste Feature der Kurilen Bobtail ist selbstredend ihr Pompon-artig âgeknautschterâ Schwanz, der âausgerolltâ eine LĂ€nge von bis zu 13 Zentimetern hat; da er aber geknickt, eckig oder gar spiralig gebogen ist, betrĂ€gt die âsichtbare LĂ€ngeâ nur um die 8 Zentimeter.
Dass die Katze den Schwanz nicht nutzen kann wie Artgenossen anderer Rassen, Ă€uĂert sich in ihrem Gangbild â eher âhoppelndâ als elegant schleichend. Viele Vertreter der Rasse kommen zwar mit dem Handicap zurecht, sind jedoch in ihrer artgerechten Kommunikation und teilweise auch in ihrem Gleichgewicht eingeschrĂ€nkt. Ersteres kann dazu fĂŒhren, dass Kurilen Bobtails von Artgenossen hĂ€ufiger missverstanden werden, was wiederum Auseinandersetzungen begĂŒnstigen kann. Ihrer speziellen Statur verdankt sie auch den respektvollen Beinamen âHaus-Luchsâ.
Qualzucht-Hinweis
Diese Rasse wird in vielen Teilen der Welt als Qualzucht eingestuft.
Das 1999 im Auftrag der Bundesregierung und unter Mitwirkung des Deutschen Tierschutzbundes erstellte âQualzuchtgutachtenâ empfiehlt ein Zuchtverbot fĂŒr haarlose, extrem kurzköpfige Zuchtformen (sogenannte brachycephale Rassen) und weitere, bei denen extreme AusprĂ€gungen im Körperbau (sehr langer RĂŒcken, stark verkrĂŒmmte Beine, WirbelsĂ€ulenverĂ€nderungen, ĂŒbermĂ€Ăiges Fellwachstum usw.) ein gesundes Leben unmöglich macht.
Ein verantwortungsvoller Tierhalter, der natĂŒrlich viel Wert auf ein gesundes, unbeeintrĂ€chtigtes Leben seines Vierbeiners legt, sollte bei der Entscheidung fĂŒr eine geeignete Rasse nicht nur auf hervorragende Charaktereigenschaften achten, sondern auch diese Hinweise unbedingt berĂŒcksichtigen.
Wir von Fressnapf setzen uns als verantwortungsbewusste Tierfreunde aktiv fĂŒr das Wohlergehen der Tiere ein und möchten auf die Herausforderungen hinweisen, die bestimmte Zuchtpraktiken mit sich bringen. Daher vermeiden wir es bewusst, Bilder von Qualzuchten auĂerhalb expliziter Rasseportraits zu zeigen, um keine ungewollte Nachfrage zu fördern.
Uns ist zudem bewusst, dass viele Tierhalter nicht wissen, dass ihr geliebtes Haustier unter den Folgen einer Qualzucht leiden könnte. Unser Ziel ist es nicht, SchuldgefĂŒhle zu wecken, sondern durch informative BeitrĂ€ge darĂŒber aufzuklĂ€ren und gleichzeitig Hilfestellungen zu geben, diesen Tieren ein möglichst gesundes und glĂŒckliches Leben zu ermöglichen.





