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Antijagdtraining – den Jagdtrieb beim Hund kontrollieren

Ihr Hund hat einen ausgeprägten Jagdinstinkt und Sie verzweifeln bei jedem Hundespaziergang? Jedes Rascheln im Laub versetzt ihn in Alarmbereitschaft? Dann ist ein Antijagdtraining für Sie und Ihren Hund nur zu empfehlen. Ein unkontrollierbarer Hund stellt eine Gefahr für sich und andere dar. Der „Tunnelblick“ und die Fixierung auf das Wild machen einen Hund mit Jagdtrieb blind für Autos, Straßen und Entfernungen. Doch warum ist das so und wie können Sie dem erfolgreich entgegenwirken? Begeben wir uns auf die Spur des Jagdtriebs von Hunden …

Der erst Schritt zum Erfolg: Den Jagdinstinkt des Hundes begreifen

Viel Hundehalter stellen sich die Frage „Warum jagt mein Vierbeiner, wo er doch gar kein Jagdhund ist?“ Die Antwort ist einfach: weil jeder Hund einen Jagdinstinkt hat. Vererbt hat ihm das sein Urahne, der Wolf. Der angeborene Jagdtrieb fällt je nach Hund sehr unterschiedlich aus. Rassen, die seit Jahrhunderten für die Jagd gezüchtet werden, gehören der Gruppe „Jagdhunde“ an. Unter ihnen gibt es sehr unterschiedliche Spezialisten wie Vorstehhunde (Pointer, Irish Setter), Hatz-/Hetzhunde (Podenko, Barsoi), Stöber- (Beagle, Wachtelhund) und Apportierhunde (Spaniel, Retriever).

Wenn ein Hund mit ausgeprägtem Jagdtrieb etwas „Hetzbares“ aufspürt oder –bei Sichtjägern – erspäht, dann hilft kein Rufen und kein Drohen: Ihr Hund wird Sie sofort links liegen lassen und nicht aufhören zu hetzen, bis er physisch aufgibt oder die Beute gepackt hat.

Warum der beispielsweise ansonsten treue Dackel zum gnadenlosen Jäger mutieren kann, liegt am Adrenalin und Endorphinen: Jagdhunde „lieben es“ zu jagen, weil das Adrenalin, das ihren Körper überflutet, für ein Gefühl sorgt, das sie alles andere vergessen lässt. Der Zustand des Hundes ist durchaus mit einem Rauschzustand vergleichbar.

Antijagdtraining: die richtigen Schritte zu einem entspannten Hund

Grundsätzlich gilt: Der Jagdtrieb Ihres Hundes ist genetisch bedingt und kann nicht – vor allem sollte nicht – wegtrainiert werden. Nehmen Sie Abstand von echten Jagdhunderassen, wenn Sie nicht bereit sind, Zeit und Geduld in ein Antijagdtraining zu investieren. Das Antijagdtraining ist im Grunde kein Antijagd-, sondern ein Kontrolltraining, bei dem Sie die zunächst unkontrollierte und daher gefährliche Jagdneigung Ihres Hundes sehr gut in den Griff bekommen.

Setzen Sie das Jagdverhalten Ihres Hundes positiv um

Umso genauer Sie das Verhalten Ihres Hundes kennen, desto gezielter können Sie das Antijagdtraining angehen. Versuchen Sie nicht, den Jagdinstinkt Ihres Hundes zu „eliminieren“, sondern setzten Sie Ihr Hundewissen richtig ein.

Was trifft auf Ihren Hund zu?
  • Mein Hund verharrt vor der Beute: Die Eigenschaft eines Vorstehhundes – er zeigt an, wo die Beute sich versteckt. Verstärken Sie dieses Verhalten im Antijagdtraining mit Ersatzbeute an einer Reizangel.
  • Mein Hund überfällt Inline-Skater oder Fahrradfahrer: Dieses Verhalten zeigt an, dass hier der Hund aus Langerweile oder Frust heraus jagt. Den Hund zu beschäftigen und sein Sozialverhalten zu trainieren, reicht häufig aus.
  • Mein Hund ist Fährtensucher: Setzten Sie dieses Talent im Antijagdtraining ein: Verstecken Sie besondere Leckerlis am Wegesrand und üben Sie gleichzeitig das Zurückkommen mit Clicker oder Kommando/Pfeifton.
  • Mein Hund hetzt Beute – die Königsaufgabe im Antijagdtraining: Mit der Schleppleine hindern Sie Ihren Hund notfalls am Jagen, sobald dieser ansetzt. Wichtigster Schritt: Einübung eines Kommandos wie „Stopp“ mithilfe von Ersatzbeute und Leckerchen.

Das A und O im Antijagdtraining: die Bindung

Der wichtigste Schritt im Antijagdtraining ist eine starke Bildung zu Ihnen. Wenn Ihr Hund sich immer wieder nach Ihnen umdreht, um zu überprüfen, wo sein „Leittier“ ist, dann haben Sie eine hervorragende Voraussetzung für den Abruf Ihres Hundes von der Beute.

Mit einer 10-Meter- Schleppleine lernt Ihr Hund, im engen Radius Kontakt zu Ihnen zu halten. Verbinden Sie ein positives Ritual mit der Schleppleine und verwenden Sie dabei unbedingt ein Brustgeschirr, um das Einrücken der Leine in den empfindlichen Hundehals zu verhindern. Rufen Sie Ihren Hund zu sich, noch bevor Spannung auf der Schleppleine entsteht.

Bedienen Sie zugleich eine Hundepfeife, da Ihr Hund Sie auch auf größere Distanz hören soll. Unterstützen Sie ihn durch Lob, sobald er sich zu Ihnen umdreht, und belohnen ihn mit Leckerli oder seinem Lieblingsspielzeug, wenn er zu Ihnen zurückkommt. Reagiert der Hund nicht auf Ihr Rufen, wechseln Sie sofort und wortlos die Richtung.

Tipp: Bleiben Sie gelassen, geduldig sowie konsequent und lassen Sie sich niemals an der Schleppleine durch den Wald ziehen!

Mit Reizangel, Futterdummy und tierisch viel Spaß gegen den Jagdinstinkt

Ein gutes Hilfsmittel im Training ist die Reizangel : eine Angel an dessen Schnur ein „Reizobjekt“ – Plüschtier, Gummispielzeug, Ball, echter oder künstlicher Felllappen – hängt. Benutzen Sie die Reizangel ausschließlich, um Ihren Hund auf das Reizobjekt zu fixieren. Lassen Sie ihn nicht hinter dem Objekt hetzen, denn so verstärken Sie seinen Jagdinstinkt.

Sprechen Sie ein Kommando „Stopp“ oder pfeifen Sie, sobald er vor dem Reizobjekt stehen bleibt. Belohnen Sie ihn für diese Leistung mit Streicheleinheiten oder einem besonderen Leckerli. Hetzt der Hund jedoch auf das Reizobjekt zu, dann entwenden Sie es ihm kommentarlos mithilfe der Reizangel (das ist der eigentliche Zweck dieser Vorrichtung). Wiederholen Sie diese Übung regelmäßig, bis Ihr Hund auf Kommando/Pfiff immer vor der „Beute“ stehen bleibt.

Aber aufgepasst: Bemerken Sie, dass Ihr Hund vermehrt mit Frustration reagiert, beenden Sie das Training und wenden Sie eine alternative Methode an.

Begegnen Sie dem Jagdinstinkt Ihres Hundes mit viel Fantasie, abwechslungsreichen Spielen und einem Futterdummy – dem wetterfesten Futterbeutel in Wurstform. Überraschungen, Suchspiele, Apportierübungen oder Wettrennen machen das Antijagdtraining für Ihren Hund richtig spannend. So lernt er, dass er in Ihrer Nähe immer etwas Interessantes erlebt. Zeigen Sie Ihrem Hund, sobald er wildern will, dass es dafür eine spannendere Alternative gibt.

Tipp: Nutzen Sie den Futterdummy als „Futterquelle“ und Beuteersatz für unterwegs. Füllen Sie ihn mit Futter auf und werfen Sie ihn zum Apportieren. Als Belohnung für das Bringen darf er eine Kleinigkeit aus dem Beutel naschen.

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