Der Luchs – Europas größte Wildkatze im Portrait
28.11.2025 - Lesedauer: 8 Minuten

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Mit präzisen Bewegungen pirscht er heimlich, aber wachsam durch die Wälder – stets auf der Suche nach Nahrung: der Luchs. Europas größte Wildkatze galt nach jahrelanger Verfolgung und Ausrottung nahezu als „verschollen“. Mittlerweile ist die bedrohte Rasse mit dem fleckigen Fell, großen Tatzen und auffälligen Pinselohren wieder in Deutschlands Wälder zurückgekehrt. Doch ein Überleben der wild lebenden Katze ist ohne menschliche Hilfe kaum möglich, sodass Wiederansiedlungsprojekte neue Lebensräume für die Tiere schaffen. Welche Eigenschaften den Luchs ausmachen und warum er ab jetzt auch wieder häufiger in deutschen Wäldern zu finden ist, erfährst du hier.
- Luchs – ein Meister der Jagd mit großen Tatzen und Pinselohren
- Rasse und Vorkommen: Wo hat der Luchs seinen Lebensraum?
- Aussehen und Verhalten: Wie sieht der Luchs aus?
- Steckbrief Luchs
- Wodurch zeichnet sich das Wesen der Luchse aus?
- Wann ist die Paarungszeit von Luchsen?
- Bedrohung und Feinde: Wer ist der Feind des Luchses?
- Kann ich einen Luchs als Haustier halten?
- Fazit: Luchse zurück in Deutschland – vermehrte Population der Wildkatze in unseren Wäldern
Das Wichtigste in Kürze
- Der Eurasische Luchs (Lynx lynx) ist Europas größte wildlebende Katzenart, die früher flächendeckend die umliegenden Wälder bewohnte.
- Nach gezielter Verfolgung und Ausrottung ist langsam eine Rückkehr des vom Aussterben bedrohten Luchses in Deutschland zu verzeichnen.
- Geflecktes Fell, auffälliger Backenbart und rund fünf Zentimeter lange Pinselhaare an den Ohren sind typische Merkmale vom Luchs.
- Der Luchs ist ein Wildtier und daher nicht als Haustier geeignet.
Luchs – ein Meister der Jagd mit großen Tatzen und Pinselohren
Der Luchs (Eurasischer Luchs) gehört wie auch Tiger, Löwen und Hauskatzen zur Familie der Katzenartigen (Felidae). Mit seinem muskulösen Körper, auffälligen Pinselohren und kräftigen Hinterpfoten ist der Luchs die größte wild lebende Katzenart in Europa. Weitläufige, dichte Waldgebiete sind sein Zuhause. Doch der nachtaktive Räuber hat sich wegen seiner Vorliebe für Nutztiere zum Gejagten gemacht. Dank vieler Tierschutzmaßnahmen ist sein Vorkommen in unseren Wäldern seit einigen Jahren wieder verstärkt. Aber die Wiederansiedlung der Tiere in ihren ursprünglichen Lebensräumen allein reicht nicht aus, um die Wildkatze zu schützen. Auch das richtige Verhalten der Menschen hilft dem Luchs beim Überleben.
Was tun, wenn man einem Luchs begegnet?
Grundsätzlich sind Luchse nicht gefährlich für Menschen. Die Chance, den dämmerungs- und nachtaktiven Einzelgänger im Wald anzutreffen, ist gering. Wenn dir dennoch ein Luchs begegnet, gilt: Ruhe bewahren und Abstand halten! Den Luchs nicht in die Enge treiben oder versuchen, ihn zu füttern. In der Regel ziehen sich die scheuen Wildkatzen von allein zurück. Bist du mit einem Hund unterwegs, ist es wichtig, diesen stets angeleint zu führen.
Rasse und Vorkommen: Wo hat der Luchs seinen Lebensraum?
Vor rund 200 Jahren bewohnte der Eurasische Luchs flächendeckend die Waldgebiete innerhalb Europas. Deutschland galt sogar als „Land der Luchse“. In nahezu all unseren Wäldern war die Wildkatze unterwegs. Mit der gezielten Jagd und Ausrottung Anfang des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa ließ die Luchspopulation deutlich nach. Die Menschen hatten es auf das Fell der Luchse abgesehen und sahen in den Tieren eine Jagdkonkurrenz auf Nutztiere.
Für eine Rückkehr der Luchse in Deutschland setzen sich seit den 1970er-Jahren Tierschutzvereine und Organisationen wie BUND, WWF oder Deutsche Wildtierstiftung ein. Wiederansiedlungsprojekte für die Schaffung neuer Lebensräume sollen dabei helfen, den Luchsbestand in Deutschland wieder herzustellen.
Du bist noch nie einem Luchs begegnet? Kein Wunder: Luchse sind sehr wachsam und haben ein ausgeprägtes Gehör. Außerdem sind die Einzelgänger erst ab der Dämmerung aktiv. Tagsüber verstecken sie sich in Höhlen und zwischen Felsen.
Wo in Deutschland gibt es noch Luchse?
Den höchsten Luchsbestand in Deutschland haben der Bayerische Wald, das Fichtelgebirge, der Oberpfälzer Wald und der Harz. Andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen verzeichnen ebenso zunehmende Luchspopulationen. Innerhalb Europas gibt es zudem größere Bestände im skandinavischen Raum, im Baltikum und in den Karpaten.
Es gibt vier verschiedene Arten von Luchsen:
- Eurasischer Luchs (Europa, Asien und Russland)
- Rotluchs (Nordamerika)
- Kanadischer Luchs (Kanada)
- Iberischer Luchs (Spanien und Portugal)
Aussehen und Verhalten: Wie sieht der Luchs aus?
Die größte Wildkatze Europas hat einen muskulösen Körper mit einer Rumpflänge zwischen 80 und 130 Zentimetern sowie einer Widerristhöhe zwischen 50 und 70 Zentimetern. Das entspricht in etwa der Größe eines ausgewachsenen Schäferhundes. Hinzu kommt der bis zu 25 Zentimeter lange Schwanz. Dank der langen Hinterbeine und den großen Tatzen können Luchse bis zu sieben Meter weit springen.
Der rundliche Kopf ist geziert von großen Augen, mit denen der nachtaktive Räuber seine Beutetiere in der Dunkelheit sehr gut beobachten kann. Luchse sehen etwa sechs Mal besser als Menschen. Weitere Besonderheiten des Luchses sind der auffällige Backenbart sowie die spitzen „Pinselohren“. Forscherinnen und Forscher vermuten, dass der Backenbart ihm dabei hilft, die Richtung von Geräuschen besser deuten zu können, allerdings gibt es hierfür keine konkreten Belege. Durch seine bis zu fünf Zentimeter langen Haarpinseln an den Ohren kann der Luchs Geräusche aber über große Distanzen wahrnehmen.
Das gefleckte Fell dient als Tarnung und passt sich den Jahreszeiten an. Luchse haben ein glattes, kurzes und rötlich-bräunliches Fell im Sommer, während die langen und grau-bräunlichen Grannenhaare in der Unterwolle im Winter die Tiere vor Kälte und Feuchtigkeit schützen. Je nach Art und Herkunft können die Fellfarben unterschiedlich ausfallen. So haben Eurasische Luchse meist ein rötlichbraunes bis graugelbliches Fell. Die skandinavischen Luchse sind dagegen als eine Unterart des Eurasischen Luchses häufiger gelb- und rotbraun.
SteckbriefLuchs
Rasse | Eurasischer Luchs (Lynx lynx) |
Herkunft | früher ganz Europa, heute vermehrte Population in Deutschland (u. a. Bayerischer Wald, Fichtelgebirge, Oberpfälzer Wald sowie andere Bundesländer), größere Bestände in Skandinavien, Karpaten und Baltikum |
Zugehörigkeit | Raubtiere (Carnivora) der katzenartigen Familie (Felidae) |
Lebensraum | große, dichte Waldgebiete mit Höhlen, Totholz als Rückzugsorte sowie felsige Gebiete |
Größe | 80 bis 130 Zentimeter Rumpflänge, 50 bis 70 Zentimeter Schulterhöhe sowie ein bis zu 25 Zentimeter langer Schwanz) |
Gewicht | ausgewachsen zwischen 15 und 20 Kilogramm, Kuder (Männchen) meist schwerer als Kätzinnen (Weibchen), in der Regel 20 bis 25 Kilogramm
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Körperbau | muskulöser Körperbau, lange Hinterbeine und kräftige Tatzen |
Augen | große Augen am rundlichen Kopf, sehr gute Sehkraft in der Dunkelheit
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Ohren | „Pinselohren“ mit bis zu 5 cm langen Haarpinseln, ausgeprägtes Gehör
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Fell und Farbe | geflecktes Fell, je nach Jahreszeit glatt und kurz in rot-braun (Sommer), lange Gannenhaare in grau-braun (Winter) |
Besonderheiten | auffälliger Backenbart und „Pinselohren“ |
Charakter | Einzelgänger, scheu, wachsam, vorsichtig |
Fortpflanzung | Paarungszeit (Ranzzeit) zwischen Februar und März, Geburt zwischen Mai und Juni mit einem bis vier Jungen pro Wurf |
Nahrung | größtenteils Rehe, aber auch Füchse, Hasen, Vögel und kleine Säugetiere (z. B. Mäuse) |
Schutzstatus | streng geschützte Art (Washingtoner Artenschutzabkommen, Berner Konvention und FFH-Richtlinie) in Europa seit 2016 auf der Roten Liste Bayern, seit 2020 auf der Roten Liste Deutschland (vom Aussterben bedrohte Art, Kat. 1)
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Feinde | größtenteils Menschen aufgrund illegaler Jagd und verkehrsreicher Straßen |
Alter | durchschnittliche Lebenserwartung in freier Wildbahn zwischen fünf und zehn Jahren, in Gefangenschaft bis zu 15 Jahre |
Wodurch zeichnet sich das Wesen der Luchse aus?
Luchse sind scheue Einzelgänger und in der Nacht aktiv. Tagsüber suchen sich die Tiere dunkle Höhlen oder Totholz als Rückzugsort. Bei der Jagd sind Luchse wachsam und vorsichtig. Sie verfolgen ihre Beute nicht, sondern beobachten diese aus der Ferne, lauern ihr auf und schlagen im Überraschungsmoment zu. Da Luchse normalerweise Einzelgänger sind, gehen sie auch allein auf Jagd. Um ihre Beute zu töten, packen sie ihr Opfer mit den Krallen und töten es durch einen Biss in die Kehle. Bis auf den Kopf, das Fell, die Knochen und den Darm frisst ein Luchs sein Beutetier vollständig auf.
Seine Beute sucht der Kuder (Männchen) auf einem Gebiet von mehr als 150 Quadratkilometern. Bei der Kätzin (Weibchen) sind es zwischen 50 und 100 Quadratkilometer. Je nachdem, wie viele Beutetiere das Gebiet hergibt, kann das Revier eines Luchses mehr als 400 Quadratmeter groß sein.
Was fressen Luchse?
Luchse sind Karnivoren, ihre Nahrung besteht nur aus Fleisch. Die Wildkatzen fressen bevorzugt Rehe, sind aber nicht anspruchsvoll bei der Wahl der Beute. Rentiere, Hasen, Kaninchen sowie Vögel und kleine Säugetiere stehen auf dem Speiseplan. Meist reißt der Luchs alte und kranke Tiere.
Wann ist die Paarungszeit von Luchsen?
Die Paarungszeit eines Luchses ist zwischen Februar und März. Während der sogenannten Ranzzeit kommunizieren Kuder und Kätzin über Laute, um gegenseitige Aufmerksamkeit zu erregen. Da sie sonst eher Einzelgänger sind, meiden Männchen und Weibchen vor und nach der Paarungszeit wieder den Kontakt. Sie haben ein großes Revier und treffen sich nur während der Paarungszeit im Frühling.
Nach der erfolgreichen Paarung liegt die Tragzeit einer Kätzin bei etwa 70 Tagen. Ihre Kinder bringen die Luchsweibchen zwischen Mai und Juni zur Welt. Meistens sind es ein bis vier Jungen. Danach dauert die Aufzucht maximal sechs Monate und erfolgt allein durch die Kätzin. Diese kümmert sich zu dieser Zeit ausschließlich um Nahrungssuche und das Großziehen ihrer Jungen und hat dabei keinen Kontakt zu anderen Männchen oder Weibchen. Mit etwa neun Monaten sind die Jungtiere dann selbstständig und können allein auf Jagd gehen, bevor sie im Frühjahr ihr eigenes Revier suchen.

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Bedrohung und Feinde: Wer ist der Feind des Luchses?
„Tierische Feinde“ haben Luchse nur wenige, sie stehen meist an der Spitze der Nahrungskette. Die größte Gefahr für den vom Aussterben bedrohten Luchs sind Menschen.
Nach der gezielten Verfolgung und Ausrottung zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist der Luchsbestand in Europa deutlich gesunken. Besonders gefährdet ist der Balkanluchs, eine Unterart des Eurasischen Luchses.
Das Vorkommen vom Eurasischen Luchs in deutschen Wäldern hat sich dank Ansiedlungsprojekten wieder erhöht. Eines dieser Projekte ist das LIFE-Natur-Projekt der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz. Hier werden Luchse aus der Schweiz und der Slowakei im Pfälzerwald ausgewildert und auf diese Weise dort langsam wieder angesiedelt.
Die größten Luchsbestände befinden sich im Moment im Bayerischen Wald, Pfälzer Wald und Harz. Kleine Populationen und Einzeltiere sind zudem in anderen Bundesländern unterwegs. Ein Überleben des Luchses in unseren Waldgebieten ist ohne menschliche Unterstützung jedoch kaum möglich. Die illegale Jagd und Zerstörung der natürlichen Lebensräume erschweren der Raubkatze die Rückeroberung ihrer Gebiete.
Kann ich einen Luchs als Haustier halten?
Der Luchs ist ein Wildtier und keine Schmusekatze wie beispielsweise eine Maine Coon oder Siamkatze. Dennoch denken Menschen immer wieder über die private Haltung eines Luchses in Deutschland nach – das wäre jedoch keinesfalls artgerecht. Rein rechtlich betrachtet ist es zwar erlaubt, allerdings gelten bestimmte Auflagen und Bedingungen für das Halten von Wildtieren, die man als Privatperson in der Regel nicht erfüllen kann. Generell ist von diesem Vorhaben zum Wohle der Tiere in jedem Fall abzuraten. Der Luchs ist und bleibt ein Wildtier und sollte daher freier Wildbahn oder höchstens in entsprechend ausgestatteten Wildtieranlagen beobachtet werden.
Fazit: Luchse zurück in Deutschland – vermehrte Population der Wildkatze in unseren Wäldern
Viele Jahre lebte Europas größte Wildkatze, der Eurasische Luchs, in nahezu allen umliegenden Wäldern. Doch mit der Zeit wurde sein Lebensraum mehr und mehr zerstört und der Luchs in einigen Ländern fast ausgerottet. Dank Tierschutzverbänden und Hilfsorganisationen für Tiere ist eine Rückkehr des vom Aussterben bedrohten Luchses in Deutschland zu verzeichnen. Im Bayerischen Wald, Oberpfälzer Wald und im Harz haben sich die größten Populationen der rot-braun gefleckten Raubtiere mit den „Pinselohren“ wieder angesiedelt.





