Warum frisst mein Hund nicht mehr?

28.12.2025 - Lesedauer: 6 Minuten

Buntes Trockenfutter in einer türkisfarbenen Futterschüssel auf einem rustikalen Holztisch

Es kann immer mal vorkommen, dass dein Hund weniger Appetit hat oder eine Mahlzeit auslässt. Frisst er aber längere Zeit nicht, solltest du aufmerksam werden.

Lässt der Vierbeiner seinen Napf unberührt, sind Hundehalter schnell beunruhigt. Anorexie oder Inappetenz nennt man dieses Phänomen in der Fachsprache. Die Ursachen dafür, dass dein Hund nicht frisst, können vielfältig sein. Sind sie erstmal bekannt, kannst du dem Tier in der Regel gut und schnell helfen. Erfahre, wie du die Symptome richtig einordnest und wann du zur Sicherheit tierärztlichen Rat einholen solltest.

Unterschied zwischen Anorexie und Inappetenz bei Hunden

Anorexie und Inappetenz sind Begriffe, die verwendet werden, um Probleme mit dem Fressverhalten bei Hunden zu beschreiben. Obwohl sie ähnliche Symptome aufweisen, gibt es wichtige Unterschiede: Anorexie ist oft ein Zeichen für eine ernsthafte Erkrankung, die eine umgehende tierärztliche Untersuchung erfordert, um die zugrunde liegenden Ursachen zu identifizieren und zu behandeln. Inappetenz kann zwar auch ein Symptom für gesundheitliche Probleme sein, erfordert aber nicht immer sofortige medizinische Intervention, besonders wenn der Hund ansonsten gesund erscheint und keine weiteren besorgniserregenden Symptome zeigt.

Anorexie

Anorexie bezeichnet den vollständigen Verlust des Appetits, bei dem der Hund sich weigert zu fressen, unabhängig von der Art oder Qualität des angebotenen Futters. Dieser Zustand ist oft ein Symptom einer schwerwiegenderen Erkrankung oder Störung. Anorexie kann durch eine Vielzahl von physischen Ursachen hervorgerufen werden, darunter Schmerzen, Verstopfung oder Verschluss von Gefäßen oder Organen, Infektionen oder systemische Erkrankungen wie Nierenversagen oder Krebs. Sie kann aber auch psychische Ursachen haben, etwa Stress oder Depressionen, die durch Veränderungen in der Umgebung oder im sozialen Gefüge des Hundes ausgelöst werden.

Inappetenz

Inappetenz oder verminderte Appetitlust bezieht sich auf eine Situation, in der ein Hund weniger Interesse am Fressen zeigt, aber nicht vollständig die Nahrungsaufnahme verweigert. Ein Hund mit Inappetenz kann selektiv fressen, also nur bestimmte Arten von Futter oder Leckerlis akzeptieren, oder er frisst insgesamt weniger als normal. Inappetenz kann auf leichtere gesundheitliche Probleme hinweisen, wie beispielsweise während der Läufigkeit oder aufgrund einer vorübergehenden Magenverstimmung. Sie kann auch durch weniger schwerwiegende psychische Belastungen wie geringfügige Änderungen im Tagesablauf oder leichte Angstzustände ausgelöst werden.

Hund frisst nicht: Unbedenkliche Ursachen für Inappetenz bei Hunden

Dein Hund frisst nicht, ist aber ansonsten fit und trinkt genug? Dann solltest du zunächst harmlose Ursachen für die Appetitlosigkeit ausschließen. Könnte das Tier ganz einfach satt sein, weil es woanders etwas gefressen hat? Oder wirken sich vorübergehende Umstände wie zum Beispiel hohe Temperaturen auf den Appetit aus? Auch die Wahl des Futters spielt bei der Ernährung eine entscheidende Rolle.

So kann eine plötzliche Futterumstellung ebenso zu Appetitlosigkeit führen wie eine unausgewogene Zusammensetzung des Futters. Tiere, die allgemein wählerisch bei der Futterwahl sind, werden als mäkelig bezeichnet.

Tipps für mäkelige Fresser 

Hier sind ein paar Tipps, wie du einem wählerischen Hund helfen kannst, besser zu essen:

  1. Konsistenz: Dein Hund könnte sensibel auf Veränderungen in seiner Ernährung reagieren. Das betrifft sowohl die Art des Futters als auch die Fütterungszeiten. Ein fester Fütterungsplan hilft dabei, Routinen zu etablieren und den Appetit deines Hundes anzuregen. Solltest du das Futter aus gesundheitlichen Gründen wechseln müssen, mach das am besten schrittweise.
  2. Frische Zutaten: Du kannst das Hundefutter mit frischen Zutaten wie gekochtem, ungewürztem Fleisch, Gemüse oder Hühnerbrühe anreichern. Das verbessert nicht nur den Geschmack, sondern bietet auch zusätzliche Nährstoffe. Das solltest du jedoch immer bei einer tiermedizinischen Ernährungsberatung oder mit deinem Tierarzt besprechen, da Alleinfuttermittel für deinen Hund bereits ausreichend ist und es sonst zu einer Überversorgung kommen kann. Bei einer Ernährungsberatung für Hunde bekommst du hilfreiche Tipps und Empfehlungen für die optimale Futterzusammenstellung. Unser fachkundiges Team von Dr. Fressnapf beantwortet deine Fragen in einer Online-Sprechstunde auch zu später Stunde, am Wochenende und an Feiertagen.
  3. Leckerbissen: Experimentiere mit verschiedenen Leckerlis, um herauszufinden, was dein Hund am liebsten mag. Führe diese allerdings langsam ein und achte darauf, dass sie nur einen kleinen Teil der Gesamternährung ausmachen.
  4. Futterspielzeug: Steigere die mentale Stimulation deines Hundes durch Futterspielzeuge oder Puzzles zur Fütterungszeit. Das erhöht nicht nur den Spaßfaktor, sondern kann auch das Interesse am Essen wecken.

Psychische Ursachen für Appetitlosigkeit bei Hunden

Dein Hund ist schlapp oder schläft viel und frisst nicht? Dann sollten weitere Ursachen für die Appetitlosigkeit in Erwägung gezogen werden. Diese können physischer oder psychischer Natur sein. Da Hunde äußerst sensible Tiere sind, wirken sich psychische Faktoren schnell auf ihre Essgewohnheiten aus. Stress und Angst können zu Inappetenz führen, sei es aufgrund von Umweltveränderungen, einem neuen Familienmitglied oder anderen belastenden Ereignissen. Hormonelle Veränderungen, wie sie während der Läufigkeit oder Trächtigkeit – aber auch nach einer Kastration – auftreten, können ebenfalls den Appetit beeinflussen. Ein einfühlsamer Umgang und eine vertraute Umgebung können helfen, Stress abzubauen und die normale Fresslust wiederherzustellen.

Beispiele für mögliche psychische Auslöser, warum dein Hund nicht frisst

  • Veränderungen im Umfeld 
    Ein Umzug, eine Änderung der gewohnten Tagesabläufe oder das Hinzukommen bzw. Wegfallen von Familienmitgliedern können Stress und Unsicherheit bei Hunden auslösen. In solchen Phasen der Anpassung kann der Hund zeitweise das Interesse am Fressen verlieren.
  • Trennungsangst 
    Hunde, die unter Trennungsangst leiden, können in Abwesenheit ihrer Bezugsperson(en) Fressunlust zeigen. Dies kann sich in extremen Fällen zu einer anhaltenden Anorexie entwickeln, wenn der Hund über längere Zeiträume allein gelassen wird.
  • Traumatische Erlebnisse
    Traumatische Erfahrungen, wie schlechte Behandlung in der Vergangenheit, aggressive Begegnungen mit anderen Tieren oder laute, erschreckende Geräusche (z. B. Feuerwerkskörper) können Angstzustände und damit verbundene Fressprobleme auslösen.
  • Verlust eines Gefährten
    Der Verlust eines tierischen oder menschlichen Gefährten kann zu Trauer und Depression bei Hunden führen. In der Trauerphase zeigen einige Hunde wenig bis kein Interesse am Fressen.
  • Eifersucht und Wettbewerb
    In Mehrhundehaushalten oder nach der Einführung eines neuen Tieres kann Eifersucht oder das Gefühl der Konkurrenz um Aufmerksamkeit und Ressourcen zu Stress und Inappetenz führen.

Unterstützungsmaßnahmen für betroffene Hunde

  • Stabilität und Routine: Halte soweit wie möglich an festen Fütterungszeiten und Spaziergangsroutinen fest, um dem Hund Sicherheit zu geben.
  • Positive Verstärkung: Nutze positive Verstärkung, um das Vertrauen des Hundes in neue oder stressige Situationen zu stärken.
  • Ruhezonen einrichten: Biete einen ruhigen Rückzugsort an, wo sich der Hund sicher und ungestört fühlen kann.

Physische Ursachen: Krankheiten, die Inappetenz verursachen können

Wenn psychische Faktoren und die Futterwahl als Ursache ausscheiden, kann der Inappetenz eine Erkrankung zugrunde liegen. (Chronische) Entzündungen, sei es im Magen-Darm-Trakt (IBD) oder in anderen Organen, können ebenfalls Schmerzen verursachen und den Appetit verringern. Dasselbe gilt für Magengeschwüre und gutartige wie bösartige Tumore. Auch der Elektrolythaushalt des Hundes beeinflusst das Hungergefühl. Elektrolytstörungen, häufig durch Erbrechen oder Durchfall hervorgerufen, kommen daher ebenfalls als Ursache in Frage. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit der Aufnahme von Fremdkörpern oder einer einer Vergiftung, z. B. durch Hundefallen oder anderweitige Aufnahme toxischer Substanzen. Endokrinologische Störungen oder Schilddrüsenprobleme können den Stoffwechsel beeinflussen und den Appetit somit ebenfalls negativ beeinflussen.
Plötzliche Futterverweigerung, Fieber, Mattigkeit, blasse Schleimhäute oder Unruhe können generell Anzeichen für eine schwerwiegendere Erkrankung sein. Sobald du eine solche Veränderung bei deinem Hund beobachtest, solltest du tierärztlichen Rat einholen. Mache dir am besten Notizen, in denen du das veränderte Verhalten deines Vierbeiners beschreibst und in einen zeitlichen Kontext bringst. Wann ist das Symptom zum ersten Mal aufgetreten, in welchen Situationen hat es sich wiederholt? Das kann im Gespräch mit der Tierärztin oder dem Tierarzt helfen, Zusammenhänge zu erkennen.

Fütterungsmanagement: Was wirkt appetitanregend beim Hund?

Wenn ein Hund aufgrund einer Krankheit nicht frisst, kann eine Anpassung des Fütterungsmanagements erforderlich sein, um sicherzustellen, dass er die benötigten Nährstoffe und Flüssigkeiten erhält.

Anpassungen im Fütterungsmanagement

  • Weiche Nahrung: Weiches oder flüssiges Futter kann leichter zu schlucken sein und weniger Anstrengung beim Kauen erfordern. Hausgemachte Hühnerbrühe (ohne Zwiebeln oder Knoblauch) oder spezielle veterinärmedizinische Ernährungslösungen können helfen.
  • Häufige, kleine Mahlzeiten: Anstatt zwei große Mahlzeiten am Tag, biete kleinere Portionen über den Tag verteilt an – das kann den Appetit anregen.
  • Appetitanregende Mittel: In einigen Fällen kann der Tierarzt Medikamente oder Ergänzungsfuttermittel verschreiben, die speziell entwickelt wurden, um den Appetit zu steigern.
  • Handfütterung: Manchmal kann die direkte Interaktion durch Handfütterung den Hund ermutigen zu fressen. Dies sollte jedoch mit Vorsicht und Geduld durchgeführt werden.

Fazit: Was tun, wenn der Hund nicht mehr frisst?

Die Suche nach der Ursache einer plötzlichen Inappetenz sollte sowohl psychische als auch physische Aspekte berücksichtigen. Beobachte das Verhalten deines Hundes genau, um rechtzeitig auf mögliche Probleme reagieren zu können. Nicht immer muss eine ernsthafte Erkrankung hinter der Appetitlosigkeit stecken. Insbesondere wenn es dem Vierbeiner ansonsten gut geht, kann eine einfache Erklärung der Grund sein. Ein Besuch in der Tierarztpraxis sollte im Zweifelsfall immer erfolgen und kann sich auch bei unspezifischen Krankheitsbildern lohnen, da dieser das Verhalten des Hundes oft besser einschätzen und hilfreiche Tipps geben kann.

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