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Reittherapie: Die positive Wirkung der Pferde

12.06.2024 - Lesedauer: 8 Minuten

Eine Reiterin bereitet ihr Pferd für das Training vor.

Reiten als Therapie bei verschiedenen psychischen und physischen Erkrankungen und für Menschen mit Behinderungen findet immer mehr Anklang. Kein Wunder: Pferde sind aufgrund ihres Körpers und Verhaltens optimal für den Einsatz tiergestützter Interventionen geeignet. Zum einen lassen sich in einer Reittherapie unterschiedliche Übungen zur Förderung von Entspannung, Konzentration und Gleichgewicht durchführen. Zum anderen fördert der Kontakt zwischen Mensch und Pferd beim Ausreiten, Spielen oder der Pflege des Pferdes verschiedene Emotionen wie Geborgenheit und Vertrauen. Die positive Wirkung von Pferden auf den Menschen sowie alles Wissenswerte zum therapeutischen Reiten haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Therapien mit Tieren erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Die Reittherapie hat sich längst als ergänzende Maßnahme zur klassischen Therapie bewährt und wird oft und gerne genutzt.
  • Die Therapie mit Pferden richtet sich speziell an Menschen mit körperlichen, geistigen und sensorischen Behinderungen.
  • Heilpädagogisches Reiten, heilpädagogisches Voltigieren, Reittherapie und Hippotherapie sind die verschiedenen Formen des therapeutischen Reitens.
  • Trotz positiver Wirkung der Reittherapie auf den Menschen werden die Kosten der pferdegestützten Maßnahme nur selten von den Krankenkassen übernommen.

Wie funktioniert therapeutisches Reiten?

Die Reittherapie ist eine ganzheitliche Therapieform mit psychologischen, pädagogischen und rehabilitativen Maßnahmen für Menschen mit unterschiedlichen Erkrankungen sowie Behinderungen.

Im Vordergrund der Therapie steht neben dem Reiten vor allem auch der Kontakt zwischen Mensch und Pferd. Es handelt sich um eine respektvolle und einfühlsame Tätigkeit, die Räume für Reflexion und persönliches Wachstum eröffnet. Eine Reittherapie lässt sich für unterschiedliche Ziele einsetzen:

  • Das Ausreiten fördert den Muskelaufbau, unterstützt bei Gleichgewichts- und Konzentrationsstörungen und hat eine entspannende Wirkung auf die Patienten.
  • Durch die Führung und Pflege des Pferdes sowie bei Arbeiten im Stall lernen die Patienten verantwortungsbewusst zu handeln.
  • Zusätzlich weckt der enge Kontakt zum Tier verschiedene Gefühle und Wahrnehmungen beim Menschen, die sich positiv auf physische und psychische Störungen auswirken können.

Die Therapie mit Pferden ist kein neuer Trend, sondern eine bewährte Maßnahme zur Behandlung von Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen, die schon im antiken Griechenland zum Einsatz kam. In medizinischen Texten aus dem 16. bis 18. Jahrhundert betonen diese in der Regel die gesundheitsfördernden und gesundheitserhaltenden Aspekte des Reitens, wobei die therapeutischen Möglichkeiten weniger im Fokus stehen. Die heutige Form der Reittherapie hat ihren Ursprung in den USA und Kanada und hat sich mittlerweile weitläufig verbreitet.

Gut zu wissen: Wer bietet eine Therapie mit Pferden an?

Anbieter von Reittherapien sind unter anderem Fördervereine wie Lebenshilfe, Therapie- und Rehazentren, Reitvereine oder auch (private) Reiterhöfe, die auf therapeutisches Reiten spezialisiert sind.

Für wen ist eine Reittherapie geeignet?

Therapeutisches Reiten eignet sich als Therapieform hauptsächlich für Kinder und Jugendliche, kommt aber natürlich auch für Erwachsene jeden Alters infrage. Reittherapien kommen bei unterschiedlichen Erkrankungen und Einschränkungen zum Einsatz, wie unter anderem:

  • körperliche und/oder geistige Behinderung
  • Querschnittslähmung
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • ADS/ADHS
  • Autismus
  • traumatische Störungen
  • Gleichgewichtsstörungen und schlechter Körperhaltung
  • Einschränkungen der Grob- und Feinmotorik
  • Depressionen
  • Burnout
  • Essstörungen
  • Zwang- und Angststörungen
  • Lernschwächen
  • Konzentrationsstörungen
  • Aggressionen
  • mangelndes Selbstwertgefühl/fehlendes Selbstbewusstsein
  • Trauerverarbeitung
  • Demenz
  • berufliche und familiäre Probleme

Was für Arten der Reittherapie gibt es?

Die Reittherapie umfasst die medizinischen Fachbereiche Pädagogik, Psychotherapie und Psychologie und besteht aus den nachfolgenden Therapieformen:

  1. Reittherapie
  2. Hippotherapie
  3. Heilpädagogisches Reiten
  4. Heilpädagogisches Voltigieren

1. Reittherapie

Der Schwerpunkt der Reittherapie bezieht sich größtenteils auf den aktiven Teil zwischen Patienten und Pferd. Vor allem die „stille Kommunikation“ mit dem Tier beim Ausritt kann den Betroffenen in der pferdegestützten Psychotherapie helfen, zu sich selbst zu finden. Pferde sind sensible Tiere, die die Gefühle und Wünsche von Menschen wahrnehmen können. Partner, Familienmitglieder und Therapeuten der Patienten können eng in die Reittherapie mit einbezogen werden.

2. Hippotherapie

Eingesetzt wird die Hippotherapie bei einer Schädigung des zentralen Nervensystems oder bei einer Erkrankung des Stütz- und Bewegungsapparates. Sie dient der Verbesserung der Körperwahrnehmung und -funktion der Patienten. Die tiergestützte Therapie mit dem Pferd erfolgt in der Regel durch qualifizierte Ergotherapeuten und speziell geschulte Pferde. Häufig wird sie als Ergänzung zur klassischen Ergotherapie angewandt. Durch die Bewegung der Therapiepferde und die Bewegungsübertragung auf den Menschen wird die Muskulatur gestärkt, die Wirbelsäule unterstützt und das Gleichgewicht gefördert.

3. Heilpädagogisches Reiten

Beim heilpädagogischen Reiten steht der enge Kontakt zwischen Patienten und Pferd im Fokus. So können Menschen mit einer geistigen Behinderung, Verhaltensauffälligkeiten oder nach einem längeren Therapieverlauf durch das heilpädagogische Reiten auf emotionaler und sozialer Ebene gefördert werden. Die Therapieform umfasst das Ausreiten und die Arbeit mit dem Tier – sei es beim Ausmisten des Stalls, der Fütterung oder der Pflege. Die positiven Auswirkungen lassen sich in Selbsteinschätzung, Fein- und Grobmotorik, Koordination, Gleichgewicht und Rücksichtnahme erkennen.

4. Heilpädagogisches Voltigieren

Heilpädagogisches Voltigieren konzentriert sich auf die Förderung der emotionalen, sozialen und sensomotorischen Fähigkeiten der Patienten. Das Pferd läuft beim heilpädagogischen Voltigieren im Schritt, Trab oder Galopp an der Longe. Währenddessen sitzt der Mensch auf dem Rücken des Pferdes und führt verschiedene Gymnastikübungen aus, die zuvor abgestimmt wurden. In den meisten Fällen wird heilpädagogisches Voltigieren in der Gruppe durchgeführt, um so zusätzlich die Unterstützung und Rücksichtnahme gegenüber Mitmenschen zu fördern.

Das Hufeisen eines Pferdes wird gereinigt.

Welche positive Wirkung hat eine Reittherapie auf Menschen?

Reittherapien für Erwachsene und Kinder können eine positive Wirkung bei Depressionen und Burnout, Zwangs-, Angst- und Essstörungen sowie Trauma- und Trauerverarbeitung haben. Auch bei chronischen Schmerzen, Demenz und bei beruflichen und familiären Problemen kann eine Reittherapie infrage kommen.

Eine Hippotherapie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene wird unter anderem angewandt bei:

  • Multiple Sklerose (MS)
  • Bewegungs- und Koordinationsstörungen
  • Muskelsteifheit und -verhärtung
  • Störungen der Motorik durch Gehirnschäden, Lähmung, Querschnittssyndrom, Schlaganfall und Schädelhirntrauma

Die enge Bindung zwischen Reiter und Pferd beim heilpädagogischen Reiten kann zu einer Verbesserung der Körper- und Selbstwahrnehmung, der Koordination und des Gleichgewichts führen und die Fein- und Grobmotorik fördern.

Eine heilpädagogische Therapie durch Voltigieren kann positive Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein sowie bei Stimmungsschwankungen haben. Auch Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Bewegungsabläufe und Muskulatur lassen sich durch die Therapie verbessern.

Wie viel kostet eine Stunde Reittherapie?

Die Frage, wie hoch die Kosten für eine Reittherapie sind, lässt sich nicht pauschal beantworten. Verschiedene Kriterien wie Form und Dauer der Therapie, Anbieter oder auch die individuell auf den Patienten abgestimmte Behandlung werden in den Kosten für die Reittherapie berücksichtigt.

Weiterhin unterscheiden sich die Preise für therapeutisches Reiten bei Einzel- oder Gruppenstunden. So sind Reittherapien in der Gruppe in der Regel deutlich günstiger als Einzeltherapiestunden. Auch wie lange eine Therapiestunde mit Pferden dauert, ist unterschiedlich – in der Regel dauert eine Reittherapiestunde jedoch zwischen 30 und 60 Minuten. Dabei sind Kosten in Höhe von 50 bis 90 Euro pro Einheit nicht unüblich.

Vor Beginn einer pferdegestützten Therapie findet üblicherweise ein Vorgespräch zwischen Reittherapeuten und Patienten sowie Angehörigen, zum Beispiel Partnern, Eltern, Familienmitgliedern, Betreuern, statt. Auch für das Vorgespräch können Kosten anfallen. In dem Kennenlerngespräch werden die Stärken und Schwächen, Behandlungsmöglichkeiten sowie die Ziele der Reittherapie besprochen.

Wer übernimmt die Kosten für eine Reittherapie?

Die Kosten für eine pferdegestützte Therapie können hoch sein – vor allem, wenn es sich um eine Langzeittherapie handelt. Doch wird eine Reittherapie von der Krankenkasse gezahlt?

In den meisten Fällen erfolgt leider keine Kostenübernahme der Therapie mit Pferden von den Krankassen. Trotz allem kann eine Anfrage bei der zuständigen Krankenkasse für eine anteilsmäßige Kostenübernahme sinnvoll sein. Denn bei einer durch den behandelnden Arzt attestierten und verordneten Reittherapie kann es durchaus sein, dass die Krankenkasse die Therapiekosten übernimmt.

Weithin besteht die Möglichkeit, dass andere Kostenträger für die Leistungen der Reittherapie, insbesondere des heilpädagogischen Reitens, einspringen. Sofern die Therapie mit Pferden als Wiedereingliederungshilfe oder Maßnahme von schwererziehbaren Kindern zum Einsatz kommt, werden unter Umständen die Kosten der Reittherapie vom Jugend- oder Sozialamt übernommen.

Gibt es eine Ausbildung zum Reittherapeuten?

Eine klassische Ausbildung zum Reittherapeuten gibt es bisher nicht – vielmehr handelt es sich bei dem Berufsbild um eine Weiterbildung als Reittherapeut oder Hippotherapeut.

Die zusätzliche Qualifizierung ist für Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung oder absolviertem Studium in den Bereichen Ergotherapie, Physiotherapie oder Sportwissenschaften möglich. Allerdings müssen Sportwissenschaftler den Schwerpunkt in ihrer Ausbildung beziehungsweise in ihrem Studium in der Arbeit mit körperlich eingeschränkten Personen und/oder neurologischer Rehabilitation gewählt haben. Bei fehlender Qualifikation kann eine Sonderzulassung erfolgen, wenn ausreichende praktische Erfahrungen in einem der Bereiche nachgewiesen werden.

Zu den weiteren Voraussetzungen für eine Weiterbildung zum Reittherapeuten bzw. Hippotherapeuten gehören fundierte Kenntnisse in der Pferdehaltung, ein sicherer Umgang mit Pferden und Sicherheit im Reiten. Ein Grundabzeichen einer beliebigen Reitweise, eine Teilnahmebestätigung verschiedener Fortbildungskurse oder ein Lebenslauf, der reiterliche Erfahrungen erkennen lässt, muss außerdem nachgewiesen werden. Zusätzlich ist die erfolgreiche Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs erforderlich.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Reittherapeuten?

Die Weiterbildung als Reittherapeut bzw. Hippotherapeut dauert in der Regel ein Jahr und erfolgt berufsbegleitend als Schulung. Neben den verschiedenen Lernmodulen ist ein Praktikum erforderlich. Es müssen Fallbeispiele dokumentiert sowie eine Abschlussarbeit und Prüfung absolviert werden. Anschließend erhalten die Teilnehmenden der Zusatzausbildung die IPTh-Zertifizierung zum Reittherapeuten bzw. zum Hippotherapeuten.

Fazit: Reittherapie als unterstützende Maßnahme zur herkömmlichen Therapie

Die Reittherapie richtet sich an Menschen aller Altersklassen mit körperlichen und geistigen Erkrankungen und Behinderungen. Bei der tiergestützten Therapie liegt der Fokus nicht nur auf dem Reiten, sondern vor allem auf der Begegnung zwischen Mensch und Pferd. Die sensiblen Tiere können in kurzer Zeit eine enge Bindung zum Patienten aufbauen, wodurch Vertrauen, Sicherheit und Geborgenheit gefördert werden. Die besondere Beziehung kann positive Auswirkungen auf Bewegung, Körperhaltung, Konzentration und Selbstwahrnehmung der Patienten haben.

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