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Wellensittich-Ernährung: Futter von der Hirse über Kräuter bis Gemüse

Die kleinen, flinken Wellensittiche aus Australien sind schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts beliebte Haustiere. Heute stellen sie hierzulande die zahlenmäßig stärkste Gruppe der Papageienvögel dar. Glücklicherweise haben sich die Haltungsbedingungen für die frechen, geselligen Kerlchen in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt: Verantwortungsvolle Vogelhalter bereiten ihren kleinen Krummschnäbeln ein artgerechtes Wohnumfeld. Dazu gehört natürlich eine ausgewogene und artgerechte Wellensittich-Ernährung. Bieten Sie Ihren Sittichen am besten ein abwechslungsreiches Menü an.

Von Natur aus Samenfresser

Wellensittiche sind Nahrungsspezialisten. Ihr Schnabel ist auf das Knacken und Entspelzen von Samen angepasst, die sie in der Natur bodennah suchen. Typische Wellensittichkost sind die Samen bodendeckender und eher niedriger Pflanzen. Die Hirsemischungen, aus denen handelsübliches Wellensittichfutter besteht, gehören eigentlich nicht zum natürlichen Nahrungsspektrum, werden aber von den Vögeln gern verzehrt und sind physiologisch ein geeigneter Ersatz.

Das Löffelchen Körner: Welche Menge benötigt ein Wellensittich an Futter?

Bewegung hält fit: Wenn Ihre Wellensittiche in einer großen Voliere mit ausgedehntem Freiflug im Schwarm unterwegs sind, fressen sie genau so viel, wie sie brauchen. Bei Vögeln, deren Beweglichkeit eingeschränkt ist, sollten Sie den Grünfutteranteil erhöhen. Nicht ausgelastete Sittiche beginnen oft aus Langeweile zu fressen und werden dabei zu dick. Aber auch die Instinkte der wilden Vorfahren begünstigen Übergewicht beim Wellensittich: Da unter den kargen Bedingungen der australischen Lebensräume das Nahrungsangebot zeitweise knapp werden kann, fressen Wellensittiche in freier Wildbahn so viel, wie sie können, um folgende Hungerperioden auszugleichen. Hat der Wellensittich in Haustierhaltung also ein Überangebot an Futter vor sich, wird er auch fressen, wenn er eigentlich schon satt ist. Die empfohlene Tagesration für einen Wellensittich beträgt 1,5 gestrichene Teelöffel Körnermischung und sollte nicht überschritten werden. Ergänzen Sie das Körnerfutter mit Grünfutter nach Belieben.

Bitte berücksichtigen Sie, dass Kolbenhirse und Kräcker mit Körnern quasi Süßigkeiten für Sittiche sind: Reservieren Sie die beliebte Kolbenhirse als ganz besonderes Leckerchen, etwa für die Vogeldressur, und geben Sie Knabberstangen und Co. maximal einmal in der Woche (bei entsprechend reduziertem Streufutter).

Was ist drin im Körnerfutter?

Körnermischungen sind bei einer artgerechten Wellensittich-Ernährung nicht als Alleinfuttermittel zu betrachten. Für die Gesundheit der Vögel ist es unverzichtbar, die Saaten mit Frischfutter zu ergänzen, um eine umfassende Nährstoffversorgung sicherzustellen. Dennoch ist das Körnerfutter die wichtigste Komponente.

Bestandteile einer typischen Wellensittich-Mischung:
  • Verschiedene Hirsesorten (rote, gelbe und schwarze Hirse, Japanhirse, Silberhirse, Kolbenhirse, Manna-Hirse)
  • Getreide: Hafer, Gerste, Einkorn, Dinkel, Paddyreis
  • Glanz (Alternativbezeichnung: Kanariensaat)
  • Sämereien: Nigersaat, Sesam, Mohn, Hanf, Lein, Quinoa, Amarant
  • Grassamen (Knaulgras)

Werfen Sie beim Kauf einer Futtermischung einen Blick auf die Zutatenliste. Ein gutes Futter enthält eine möglichst abwechslungsreiche Mischung aus Hirsen, anderen Getreiden und Sämereien. Übrigens: Wellensittich-Futter lagern Sie am besten trocken, kühl und dunkel in einem gut schließenden Behälter, etwa einer Kaffeedose aus Metall. Kaufen Sie niemals einen zu großen Vorrat – unter ungünstigen Bedingungen wie erhöhter Luftfeuchtigkeit können Körnermischungen leicht verderben. Um die Frische einer neu erworbenen Mischung zu testen, machen Sie einen Keimtest: Streuen Sie ein paar Körner auf ein Stück Küchentuch und halten sie dieses feucht. Nach spätestens zwei Tagen sollten sich bei frischem Futter Keime zeigen.

Frischfutter: Wellensittich-Ernährung mit Obst und Grünfutter

Nicht nur die Vitamine sind ein ausschlaggebendes Argument für das tägliche Frischfutter. Die Vögel decken mit Grünzeug und Obst auch einen Teil ihres Wasserbedarfs. Wellensittiche sind sehr konservativ. Futter, das sie nicht kennen, wird zunächst oft nicht angerührt und misstrauisch beäugt. Lassen Sie sich nicht irritieren: Früher oder später wird der erste Vogel das Grünfutter untersuchen und für schmackhaft befinden, sodass der übrige Schwarm nachzieht. Beachten Sie, dass Grünfutter immer nur kurze Zeit – also in ganz frischem Zustand – im Käfig verbleiben darf und regelmäßig erneuert werden muss.

Geeignetes Grünfutter für Wellensittiche:
  • Grünfutter: Alle üblichen Küchenkräuter, wobei Sorten mit ätherischem Öl (Basilikum, Oregano) in geringeren Mengen gereicht werden sollten. Aus dem Garten: Löwenzahn, Vogelmiere, Gänseblümchen, junge Brennnessel und viele mehr.
  • Gemüse: Gurke, Bio-Blattsalate, Kürbis, Paprika, Spinat, Rettich, Radieschen, Tomate, Fenchel, Aubergine, frische Rote Beete, Zucchini. Ganz besonderen Spaß haben Wellensittiche übrigens an Karotten. Die lassen sich herrlich zernagen und kleinraspeln. Dabei landet genug Gemüse im Schnabel und versorgt den Vogel mit wichtigen Ballast- und Nährstoffen.
  • Obst: Harte und feste Obstsorten wie Apfel, Birne, Nektarine, Aprikose, Melonen, Granatapfel; alle Beeren (inklusive Weintrauben) sowie frische (!) Feigen, Pflaumen und verwandte Früchte (Zwetschgen, Mirabellen). Auch sehr milde Zitrusfrüchte (Mandarinen) mögen viele Wellensittiche, allerdings muss zuvor das Häutchen um die Segmente entfernt werden. Vorsicht mit Weichobst wie Bananen: Unter ungünstigen Umständen kann das Fruchtfleisch die kleinen Nasenlöcher verkleben. Reichen Sie Obst in Maßen – auch Fruchtzucker hat Kalorien.

Grünfutter muss immer frisch und bei Raumtemperatur serviert werden. Nehmen Sie aus hygienischen Gründen alle Reste nach wenigen Stunden aus der Unterkunft. Falls Sie Klammern zur Befestigung des Frischfutters verwenden, müssen diese nach Gebrauch ebenso gut gereinigt werden wie die Näpfe. Eingetrocknete Obstreste sind Nährboden für kleinste Schimmelporen. Außerdem sollten Obst und Gemüse stets geschält beziehungsweise gründlich gewaschen werden, um Pestizidrückstände oder Wachsbeschichtungen zu entfernen.

Speisen der Saison: Was sollte ich jahreszeitlich bedingt beachten?

In den heißen Sommermonaten spielt das Frischfutter eine noch größere Rolle als im Winterhalbjahr. Die Wellensittiche haben einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf, den Sie mit saftiger Frischkost wie Melonen und Gurke ergänzen können. Darüber hinaus gibt es während des Sommers eine viel größere Auswahl an verfügbaren Obstsorten, sodass Sie Ihren Vögeln viel Abwechslung bieten können. Wichtig bei Wärme ist aber die Hygiene. Reichen Sie am besten mehrfach täglich kleinere Obst- und Gemüseportionen und entfernen Sie Reste umgehend, bevor sie verderben. Befüllen Sie auch den Wassernapf mehrmals täglich frisch.

Verbotene Früchte: Das gehört nicht in den Wellensittichnapf

Einige für Menschen bekömmliche Lebensmittel können Ihrem Wellensittich schaden und sollten von ihm ferngehalten werden.

Die wichtigsten Tabu-Lebensmittel für Wellensittiche sind:
  • Zitrusfrüchte (Ausnahme: Mandarinen) – zu hoher Säuregehalt
  • Passionsfrucht, Maracuja – ebenfalls zu hoher Säuregehalt
  • Datteln, Sharonfrucht, Khaki – zu viele Gerbstoffe
  • Trockenfrüchte wie Datteln und Feigen – zu viel Zucker
  • Kohlsorten – können Blähungen und Verdauungsprobleme verursachen
  • Avocados – viel zu fettig, bestimmte Pflanzenteile darüber hinaus für Vögel giftig
  • Pilze, Spargel, Zwiebeln – ebenfalls nicht bekömmlich für Vögel

Völlig ungeeignet zur Wellensittich-Ernährung sind außerdem Menschenspeisen wie Fettiges, Gesalzenes, Gezuckertes, Käse, Fisch, Fleisch und natürlich Alkohol.

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