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Kreuzverschlag beim Pferd: So erkennst du die „Feiertagskrankheit“

05.10.2022

Tierarztkontrolle Bein geflecktes Pferd

Wenn ein Pferd oder Pony bereits wenige Minuten nach Beginn der Arbeit anfängt, stark zu schwitzen, und unwillig wird, ist höchste Vorsicht geboten. Es könnte sich um einen Kreuzverschlag beim Pferd handeln. Hier erfährst du alles Wissenswerte zu der Erkrankung.

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Was ist ein Kreuzverschlag beim Pferd?

Der Kreuzverschlag des Pferdes ist eine Muskelerkrankung, die während einer Belastung entsteht. Tiermediziner sprechen von einer Belastungsmyopathie, der Volksmund nennt es Feiertagskrankheit. Das liegt daran, dass die Beschwerden vorwiegend bei gut trainierten Pferden, die eine hohe Kraftfutterration erhalten, auftreten, wenn sie einen oder mehrere Tage Ruhepause hatten. Früher waren Arbeitspferde wie Grubenponys und Wagenpferde besonders betroffen, heute zeigen Sport- und Rennpferde die Symptome. Auch Stuten können nach einer Schwergeburt einen Kreuzverschlag erleiden. Fachleute unterscheiden zwischen milden, moderaten und schweren Verlaufsformen. Es ist wichtig, einen Kreuzverschlag beim Pferd frühzeitig zu erkennen, um eine Verschlimmerung der Beschwerden zu verhindern.

Milder Kreuzverschlag beim Pferd: Symptome

·       erste Symptome bereits fünf bis zehn Minuten nach Belastungsbeginn

·       Unruhe

·       klammer Gang

·       verspannter Rücken

·       insgesamt verkrampfte Haltung

·       strohgelber Urin

Moderater Kreuzverschlag beim Pferd: Symptome

·       erste Beschwerden 15 bis 30 Minuten nach Beginn der Belastung

·       starke Geh-Unlust, Stehenbleiben

·       sichtbar verkrampfte Rückenmuskulatur besonders im Bereich der Nieren und der Kruppe

·       auffällige Schweißbildung

·       Urin orange-hellbraun

Schwerer Kreuzverschlag beim Pferd: Symptome

·       Beschwerden 30 Minuten bis Stunden nach Arbeitsbeginn

·       massive Arbeitsverweigerung

·       unkoordinierte Bewegungen der Hinterbeine

·       starker Schweißausbruch

·       kolikartige Schmerzen (ausgelöst durch Muskelkrämpfe)

·       bretthart gespannte und stark schmerzhafte Rücken- und Kruppenmuskulatur

·       kaffeebrauner Urin

·       Herzrasen

·       schnelle Atmung

·       gerötete Schleimhäute

·       Fieber

Unbehandelt kann ein schwerer Kreuzverschlag für das Pferd tödlich enden. Beim Hund ist die Krankheit übrigens unter dem Namen „Greyhoundsperre“ bekannt, denn die Rennhunde sind nach dem Rennen und Hetzen auf der Bahn häufig betroffen. Starke Anstrengung kann diese Beschwerden aber auch bei jeder anderen Rasse und bei Mischlingen auslösen.

Kreuzverschlag beim Pferd: Ursachen

Der Kreuzverschlag beim Pferd tritt meist nach einer Ruhephase auf. In dieser Zeit konnten die Muskeln viel Energie in Form von Glykogen (Speicherform von Kohlenhydraten in den menschlichen und tierischen Zellen) einlagern. Arbeiten die Muskeln nun wieder, bauen sie das Glykogen mithilfe von Sauerstoff ab, um Energie zu gewinnen. Wird zu viel Glykogen auf einmal freigesetzt oder fehlt es an Sauerstoff, funktioniert dieser Stoffwechselvorgang nicht richtig. Es entsteht Laktat, das zu einer starken Wassereinlagerung in den Zellen führt und das Muskelgewebe schädigt. Das ist ähnlich wie beim Muskelkater nach dem Sport beim Menschen. Steigen die Laktatmengen weiter an, platzen Muskelzellen auf und der rote Muskelfarbstoff Myoglobin wird freigesetzt. Diesen scheiden betroffene Tiere über die Nieren aus, daher färbt sich der Urin mit steigendem Schweregrad der Erkrankung auch immer dunkler. Besonders häufig erkranken gut trainierte Pferde und Ponys, die aufgrund der starken Belastung große Kraftfutterrationen erhalten.

Das zeigt: Die Fütterung ist für den Kreuzverschlag beim Pferd Ursache Nummer eins. Wird bei Arbeits- und Leistungspferden an Ruhetagen oder während ruhiger Regenerationsphasen die Kraftfuttermenge nicht reduziert, speichern die Muskeln zu viel Glykogen und die Wahrscheinlichkeit einer Belastungsmyopathie steigt.

Es gibt für den Kreuzverschlag beim Pferd allerdings eine weitere Ursache: Überlastung. Werden Pferde über ihre Belastungsgrenzen hinaus getrieben, steigt wie beim Sportler der Laktatgehalt in der Muskulatur und das Gewebe nimmt Schaden. In diesem Fall sprechen Tiermediziner vom Tying-up-Syndrom, das besonders bei Distanz- und Vielseitigkeitspferden vorkommt.

Kreuzverschlag beim Pferd: Was tun?

Falls Du bei Deinem Pferd oder Pony einen Kreuzverschlag vermutest, ist es wichtig, sofort zu handeln. Stoppe unverzüglich die Belastung des Tieres und bring es in seine Box. Jede weitere Bewegung belastende Weiterarbeit kann die Erkrankung verschlimmern!

Tipp: Treten die Beschwerden bei einem Ausritt auf, ist es sinnvoll, abzusitzen und an einem ruhigen Ort zu warten, damit das Pferd mit einem Pferdeanhänger zurück zum Stall gebracht werden kann.

Rufe unverzüglich einen Tierarzt, es handelt sich um einen Notfall. Ist das Pferd nicht überhitzt, kann eine Decke die Schmerzen in der verkrampften Rückenmuskulatur lindern. Der Tierarzt kann einen Kreuzverschlag beim Pferd anhand der Symptome erkennen. Trotzdem wird er dich genau nach der Fütterung und der Bewegung des Pferdes fragen und das Tier gründlich untersuchen. Bei einem Kreuzverschlag beim Pferd können Blutwerte wertvolle Hinweise auf die Schwere der Erkrankung und den Verlauf geben. Aussagekräftig sind die Werte der Muskelenzyme.

Kreuzverschlag beim Pferd: Behandlung

Der Tierarzt wird das Pferd zunächst über eine Infusion mit Flüssigkeit und Elektrolyten versorgen, um die starken Verluste durch das Schwitzen auszugleichen. Dazu kommen schmerzlindernde, krampflösende und entzündungshemmende Medikamente. Bei Bedarf ergänzt er zusätzlich Kalzium. Viele Pferde erleiden aufgrund der starken Schmerzen einen Schock.

Die Infusionen müssen so lange fortgesetzt werden, bis der Urin wieder eine normale Farbe zeigt. Warme Umschläge und sanfte Massagen können bei einem Kreuzverschlag beim Pferd die Heilung beschleunigen, da sie die Durchblutung anregen. Das fördert den Abtransport schädlicher Stoffe und die Regeneration des Gewebes. Wie schnell sich ein Vierbeiner von einer Belastungsmyopathie erholt, hängt von der Schwere der Erkrankung ab. In leichten Fällen erscheint das Tier bereits nach wenigen Stunden wieder munter, bei großen Schäden kann die Rekonvaleszenz Wochen oder Monate andauern.

Kreuzverschlag beim Pferd: Fütterung

Ist ein Pferd an einer Belastungsmyopathie erkrankt, empfehlen viele Tiermediziner, für einige Zeit ausschließlich Heu zu füttern und auf Kraft- und Saftfutter zu verzichten. Besprich am besten das individuelle Vorgehen mit dem behandelnden Arzt.

Kann ich einem Kreuzverschlag beim Pferd vorbeugen?

Das wichtigste Mittel gegen einen Kreuzverschlag beim Pferd ist die Fütterung. Überfüttere dein Tier nicht und passe die Kraftfutterration immer an die tatsächliche Belastung an. An Ruhetagen ist eine deutliche Reduktion sinnvoll. Eine artgerechte Haltung mit viel Auslauf auf dem Paddock, Weidegang oder gleich das Leben in einem Offen- oder Aktivstall beugt Krankheitsfällen vor. Falls dein Pferd hart arbeitet, ist es möglich, einen Teil der Energie aus kohlenhydratreichem Kraftfutter durch Fette und Öle zu ersetzen. Achte außerdem darauf, dass dein Pferd genügend Zeit hat, langsam warm zu werden, und verzichte nie auf die Schritt- und Lösungsphase zu Beginn jeder Arbeitseinheit.

Tipp: Besonders gut solltest du Vierbeiner im Auge behalten, die bereits ein- oder mehrmals an einer Belastungsmyopathie gelitten haben. Sie bleiben anfällig für ein erneutes Auftreten.

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