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Wenn der Stubentiger taumelt – Gleichgewichtsstörungen bei Katzen

Wenn die Katze beiläufig über den Dachfirst spaziert oder bei einer Tour über Schränke und Regale noch das kleinste Hindernis geschickt umschleicht, stockt dem Beobachter so manches Mal der Atem. Die Gelassenheit und Eleganz der Samtpfoten ist buchstäblich schwindelerregend und führt zu einigen Fragen: Wie macht sie das? Welche körperlichen Merkmale befähigen die Katze zu solchen Balanceakten. Und: Wieso macht sie es? Was hat die Katze von ihren akrobatischen Fähigkeiten?

Wie funktioniert der Gleichgewichtssinn bei Katzen?

Wie bei allen Säugetieren sitzt der Gleichgewichtssinn einer Katze im Ohr. Der sogenannte Vestibularapparat im Innenohr funktioniert wie eine Wasserwaage. Das Organ ist mit Kristallen als Reiz aufnehmenden Sinneszellen und einer Flüssigkeit als träger Masse gefüllt und dient der Wahrnehmung von geradlinigen Beschleunigungen. Das komplexe System signalisiert, in welcher Lage sich der Kopf in Relation zum Körper befindet und steuert so die entsprechenden Reflexe. Die Organisation des Gleichgewichts läuft dabei parallel zu den Gehirnaktivitäten, die kompliziertere Abläufe wie Richtung oder Geschwindigkeit einer Bewegung regeln. Auch weitere körperliche Vorzüge ermöglichen es der Katze, sich im Gleichgewicht zu bewegen: Ihren schlanken Schwanz benutzt die Katze als Balancierstange und gleicht damit die Bewegung nach links und rechts aus. Der Katzenschwanz ist dabei allerdings nicht ganz so gelenkig wie der anderer Tiere, die ihr Leben vorwiegend kletternd meistern. Auch der mühelose Wechsel von Pass- zu Kreuzschritt beim Schleichgang auf den Zehenballen bei vollendeter Koordination verleiht der Katze Stabilität.

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Wieso landen Katzen immer auf den Füßen?

Die Gelenkigkeit des Katzenkörpers sorgt dafür, dass die Katze sich auch im freien Fall aus der Rückenlage heraus blitzschnell drehen und den Körper in die richtige Landeposition bringen kann. Für diesen sogenannten "Stellreflex" muss allerdings eine gewisse Falldistanz bestehen. Bei einem Sturz oder Sprung aus zu geringer Höhe, ungefähr unterhalb von zwei Metern, kann die Katze sich bei unglücklichem Aufprall durchaus verletzen. In diesem Fall bleibt einfach keine Zeit für die Neuausrichtung des Körpers. Bei einem Absturz aus noch größerer Höhe, der genug Zeit zur korrekten Drehung lässt, kann der Katzenkörper hingegen ausgespreizt sogar eine Art Fallschirm-Funktion einnehmen. Doch Vorsicht – ab etwa dem vierten Stockwerk wird ein Sturz auch für Stubentiger gefährlich. Die Kletter- und Balancierfähigkeiten haben für Katzen übrigens einen evolutionär hohen Praxiswert: Indem sie lautlos auch große Höhen erklimmen können, erweitert sich das Beutespektrum zum Beispiel auf Jungvögel. Von einem erhöhten Ausguck aus behält die Katze zudem den Überblick über die unmittelbare Umgebung und erspäht Beute, Artgenossen oder andere Gefahren schnell. Nicht zuletzt kann das Tier bei Gefahr schnell Zuflucht auf einer höheren Warte suchen, wenn sich ein größerer Bodenfeind nähert.

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Was verursacht Gleichgewichtsstörungen bei Katzen?

Gerät die Katze aus der Balance, kommen einige Ursachen infrage: körperliche Einschränkungen, altersbedingte Abnahme der Beweglichkeit und organische Krankheiten. Was auch immer der Anlass ist: Warten Sie nicht darauf, dass die Gleichgewichtsstörungen von alleine verschwinden, sondern lassen Sie vom Tierarzt abklären, was die Ursache ist und wie man dem Tier Linderung verschaffen kann.

Wie kann ich einer Katze mit Gleichgewichtsstörungen helfen?

Wie viele andere Tiere können Katzen Unpässlichkeiten über längere Zeit gut verbergen. Beobachten Sie ihre Samtpfote genau: Häufiges Stolpern und Hinfallen sind Alarmsignale. Wenn das Tier sich vorzugsweise am Boden aufhält, Kletterpartien inklusive Kratzbaum meidet und gelegentlich aus größerer Höhe, zum Beispiel vom Schrank, „gerettet“ werden muss, könnte eine Störung des Gleichgewichtssinns dahinter stecken. Dem Tier ist die Bewegung aufwärts oder in der Höhe nicht mehr geheuer – wird die Katze zum Bodenbewohner, stimmt etwas nicht. Der erste Weg sollte, wie gesagt, zum Tierarzt führen, der etwaige organische Ursachen abklären und gegebenenfalls beheben kann. Die Methoden unterscheiden sich je nach Auslöser. Ist der Gleichgewichtssinn der Katze irreparabel oder etwa aus Altersgründen beeinträchtigt, versuchen Sie, Ihrer Katze Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen. Bei einer Wohnungskatze bauen Sie „Brücken“ zu höher gelegenen Lieblingsplätzen und sichern Sie Gefahrenstellen ab, in dem Sie zum Beispiel den Bereich unter gewohnten Kletterpfaden polstern. Katzen mit schweren Gleichgewichtsstörungen sollten sicherheitshalber keinen unbeobachteten Freigang haben. In der Wohnung ist es ratsam, den betroffenen Katzen nur sichere Klettermöglichkeiten bereitzustellen.

Ursachen für Gleichgewichtsstörungen Ihres Stubentigers

Unfälle

Ein gebrochener Schwanz sorgt dafür, dass die Balancierstange nicht mehr funktioniert, ein stumpfer Schlag, zum Beispiel infolge eines Sturzes, kann eine Gehirnerschütterung auslösen, die unter Umständen mangels äußerer Anzeichen zunächst unentdeckt bleibt.

Geschwächte Muskulatur

Geschwächte Muskulatur, ob nun altersbedingt oder durch Krankheit, vermindert die Körperspannung der Katze.

Gelenkschmerzen oder versteifte Wirbel

Gelenkschmerzen oder versteifte Wirbel nehmen ebenfalls Einfluss auf die Körperbeherrschung: Bestimmte Bewegungen beim Laufen und Klettern tun der Katze weh.

Sehschwäche oder Augenkrankheit

Eine Sehschwäche oder Augenkrankheit verunsichert die Katze: Sie kann ihre Umwelt optisch nicht richtig erfassen und bewegt sich entsprechend zögerlicher.

Organkrankheiten

Bei manchen Organkrankheiten produziert der Körper Giftstoffe, beziehungsweise neutralisiert diese nicht ausreichend. Diese Stoffe können im Gehirn neurale Schäden verursachen.

Ohrentzündungen

Ohrentzündungen, die das Innenohr behindern, erweisen sich als besonders kritisch. Tatsächlich sind Gleichgewichtsstörungen oft das erste sichtbare Anzeichen für eine Entzündung des Innenohrs, Polypen oder Tumore im Innenohr. Ein wichtiges Symptom zeigt sich dann, wenn die Katze den Kopf schräg hält oder einseitigen Nasenausfluss hat.

Akute Vergiftung

Auch eine akute Vergiftung kann sich in Taumeln und Gleichgewichtsproblemen äußern. Liegt der Verdacht auf giftige Substanzen nahe, müssen Sie unverzüglich handeln und die Katze zur Tierarztpraxis bringen.

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