Shar-Pei: ein buchstÀblich viel-fÀltiger, problematischer Hund
04.03.2026 - Lesedauer: 5 Minuten

Hans Surfer/Moment Open via Getty Images
Es könnten Sorgenfalten sein, die heute charakteristisch fĂŒr den Shar-Pei sind. Noch in den Siebzigern galt seine Art als die seltenste Hunderasse der Welt; im 19. Jahrhundert wurden die Tiere auch bei HundekĂ€mpfen eingesetzt. Inzwischen haben Hundefreunde den liebevollen, ruhigen Charakter des Hundes mit dem grimmigen Aussehen entdeckt. Ăbrigens: Traditionelle Shar-Peis waren lĂ€ngst nicht so faltig wie der moderne Typ. Die ĂŒbertriebenen Hautfalten schrĂ€nken die Hunde extremst ein, weshalb sie unter die Qualzuchten fallen. ZusĂ€tzlich sind sie das ideale Milieu fĂŒr Infektionen mit Bakterien und Pilzen und sorgen dafĂŒr hĂ€ufig fĂŒr Juckreiz.
SteckbriefShar-Pei
Rasse | Shar-Pei |
Herkunft | China |
Klassifikation | Jagd- und Wachhund |
GröĂe | 44 bis 51 Zentimeter |
Gewicht | 20,4 bis 27,2 Kilogramm |
Körperbau | mittelgroĂ, quadratisch-kompakter Körperbau, kurze Lendenpartie, flacher SchĂ€del, dicke, hoch angesetzte Rute, Hautfalten an Schulter und SchĂ€del, ânilpferdartigerâ Fang |
Augen | dunkel, mandelförmig |
Ohren | klein, dick und dreieckig, leicht gerundete Spitze |
Fell und Farbe | kurz, borstig, am Körper abstehend, an LĂ€ufen und Kopf anliegend; alle konsistenten Farben auĂer WeiĂ erlaubt |
Besonderheiten | wasserscheu, viele Falten am gesamten Körper (Qualzuchtmerkmal) |
Charakter | ruhig, liebevoll, loyal, ernsthaft |
Pflege | wenig Aufwand; regelmĂ€Ăiges BĂŒrsten |
Gesundheit | Disposition fĂŒr verschiedene genetisch und durch Hautfalten begĂŒnstigte Infektionserkrankungen und EntzĂŒndungen |
Die besten Produkte fĂŒr deinen Shar-Pei findest du bei uns!
Die Herkunft des Shar-Pei
Die Existenz des Shar-Pei lĂ€sst sich durch archĂ€ologische Funde und Abbildungen aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert nachweisen. Die Wiege der Rasse ist die KĂŒstenregion SĂŒdchinas. Einfache Leute hielten Shar-Pei als Gebrauchshund fĂŒr die Jagd, als HĂŒtehund und HauswĂ€chter. Dass der Shar-Pei nach all dieser Zeit im vergangenen Jahrhundert fast gĂ€nzlich verschwand, lag an exorbitanten Steuern, die Hundehalter unter dem kommunistischen Regime zu zahlen hatten. Das fĂŒhrte dazu, dass sich in den Siebzigern ein Shar-Pei. ZĂŒchter aus Hongkong hilfesuchend an amerikanische Kollegen wandte, damit im Ausland die Rasse erhalten werde. Das gelang, und Ende des Jahrzehnts kamen die ersten Zuchttiere auch nach Deutschland.
Charakter des Shar-Pei
Der Shar-Pei ist ein charakterstarker Hund, der sich nicht schnell aus der Fassung bringen lĂ€sst. Seinen Menschen gegenĂŒber ist er anhĂ€nglich, ergeben und muss sich stĂ€ndig von deren Zuneigung ĂŒberzeugen. Seinen âWill to pleaseâ, den Drang, seinem Menschen zu gefallen, zeigt er durch Gehorsam und freundliches Verhalten. Wichtig ist eine liebevolle und vor allem konsequente Erziehung, da der Shar-Pei eine klare FĂŒhrung benötigt. Der Hund ist intelligent und wachsam: Auf das Revier seines Rudels gibt er gut acht. Sein Gehabe kann majestĂ€tisch wirken, Fremden gegenĂŒber verhĂ€lt er sich reserviert.
Erziehung und Haltung des Shar-Pei
Der sensible Shar-Pei benötigt Zuwendung und Ansprache. Doch zunĂ€chst heiĂt es: Konsequenz und Beharrlichkeit des Halters gegen WillensstĂ€rke des Hundes. Wenn der Shar-Pei dich als RudelfĂŒhrer akzeptiert hat, steht einer innigen Mensch-Hund-Partnerschaft nichts im Wege. Um dies zu erreichen, solltest du solide Erfahrung in der Hundehaltung mitbringen oder dir diese aneignen. Im besten Fall besuchst du mit deinem Hund eine geeignete Hundeschule, die dir mit Rat und Tat zur Seite steht. Der Hund möchte stĂ€ndig bei seinen Menschen sein und sollte nicht ĂŒber lĂ€ngere Zeit allein bleiben. Das Alleinebleiben fĂŒr einen kĂŒrzeren Zeitraum solltest du von Anfang an ĂŒben. Denn nicht immer lĂ€sst es sich im Alltag vermeiden, den Hund fĂŒr eine kurze Dauer zu Hause zu lassen.
Die ideale Haltung fĂŒr den Shar-Pei ist eine Umgebung mit freiem Zugang zu einem Garten, den er als sein Revier bewachen kann. Du solltest dir vor der Anschaffung bewusst sein, dass Shar-Peis insbesondere mit Gartenzugang bellen können, um ihren Standpunkt deutlich zu machen. Zum tĂ€glichen Programm sollten weiterhin lange SpaziergĂ€nge oder Wanderungen gehören, denn der Shar-Pei ist ein ausdauernder Hund, der seine Kraft ausleben will. Charakteristisch fĂŒr den Shar-Pei ist, dass er auf âernsthafteâ Aufgaben aus ist. Spielereien im Stil von Agility sind seine Sache eher nicht.
Pflege des Shar-Pei
Die Pflege des Shar-Pei ist aufwendig. Dank seines kurzen Fells genĂŒgt ein regelmĂ€Ăiges BĂŒrsten, um lose Haare zu entfernen. Die Haut muss allerdings sorgfĂ€ltig auf VerĂ€nderungen kontrolliert und gepflegt werden. Vor allem, wenn sich Ekzeme in den Hautfalten gebildet haben, ist die gesundheitliche Versorgung sehr aufwendig. Die Hautfalten bieten ein ideales Milieu fĂŒr Bakterien und Pilze, weshalb eine tĂ€gliche Kontrolle besonders wichtig ist. Schon eine kleine EntzĂŒndung kann starken Juckreiz verursachen und das Wohlbefinden deines Hundes beeintrĂ€chtigen.
Im besten Fall reinigst du die Falten alle zwei Tage mit lauwarmem Wasser oder geeigneten HautpflegetĂŒchern und hĂ€ltst sie nach der Reinigung trocken. Bei stark gereizter Haut solltest du den Tierarzt aufsuchen, um einer EntzĂŒndung oder Infektion rechtzeitig vorzubeugen.
ErgÀnzend zur Pflege ist es sinnvoll, sich mit der Thematik Hautbarriere zu beschÀftigen. Dazu kannst du dich in deiner tierÀrztlichen Praxis beraten lassen oder bequem einen Online-Termin mit unserem Team von Dr. Fressnapf vereinbaren.
Besonderheiten des Shar-Pei
Der Shar-Pei neigt zu einer Reihe von Krankheitsdispositionen, die im Zusammenhang mit den auffÀlligen Hautfalten und dem immer noch begrenzten Genpool stehen.
Besonders problematisch sind Augen-, Atmungs- und Kreislaufbeschwerden, die durch die ĂŒberschĂŒssige Haut im Kopfbereich entstehen. Hinzu kommen verschiedene dermatologische Leiden und eine erblich bedingte Disposition fĂŒr Amyloidose, eine Autoimmunkrankheit des Proteinstoffwechsels. Eine weitere typische Krankheit: das Shar-Pei-Fieber mit EntzĂŒndungen der Sprunggelenke. Bei der Haltung dieser Rasse solltest du dir bewusst sein, dass im Zweifelsfall Erkrankungen auftreten, die eine intensive tierĂ€rztliche Betreuung erfordern und entsprechend mit hohen Kosten verbunden sind.
Entscheidest du dich dennoch fĂŒr einen Shar-Pei, informiere dich im besten Fall zunĂ€chst bei Tierheimen in deiner Umgebung oder bei rassespezifischen Tierschutzorganisationen.
Qualzucht-Hinweis
Diese Rasse wird in vielen Teilen der Welt als Qualzucht eingestuft.
Das 1999 im Auftrag der Bundesregierung und unter Mitwirkung des Deutschen Tierschutzbundes erstellte âQualzuchtgutachtenâ empfiehlt ein Zuchtverbot fĂŒr haarlose, extrem kurzköpfige Zuchtformen (sogenannte brachycephale Rassen) und weitere, bei denen extreme AusprĂ€gungen im Körperbau (sehr langer RĂŒcken, stark verkrĂŒmmte Beine, WirbelsĂ€ulenverĂ€nderungen, ĂŒbermĂ€Ăiges Fellwachstum usw.) ein gesundes Leben unmöglich macht.
Ein verantwortungsvoller Tierhalter, der natĂŒrlich viel Wert auf ein gesundes, unbeeintrĂ€chtigtes Leben seines Vierbeiners legt, sollte bei der Entscheidung fĂŒr eine geeignete Rasse nicht nur auf hervorragende Charaktereigenschaften achten, sondern auch diese Hinweise unbedingt berĂŒcksichtigen.
Wir von Fressnapf setzen uns als verantwortungsbewusste Tierfreunde aktiv fĂŒr das Wohlergehen der Tiere ein und möchten auf die Herausforderungen hinweisen, die bestimmte Zuchtpraktiken mit sich bringen. Daher vermeiden wir es bewusst, Bilder von Qualzuchten auĂerhalb expliziter Rasseportraits zu zeigen, um keine ungewollte Nachfrage zu fördern.
Uns ist zudem bewusst, dass viele Tierhalter nicht wissen, dass ihr geliebtes Haustier unter den Folgen einer Qualzucht leiden könnte. Unser Ziel ist es nicht, SchuldgefĂŒhle zu wecken, sondern durch informative BeitrĂ€ge darĂŒber aufzuklĂ€ren und gleichzeitig Hilfestellungen zu geben, diesen Tieren ein möglichst gesundes und glĂŒckliches Leben zu ermöglichen.
Quellen
https://www.bundestieraerztekammer.de/tieraerzte/qualzuchten/Qualzuchtgutachten.pdf
https://www.tierschutzbund.de/information/hintergrund/heimtiere/qualzucht/
Lern auch diese Jagd- und Begleithunde kennen:
- GroĂer MĂŒnsterlĂ€nder: GroĂe MĂŒnsterlĂ€nder sind vielseitige und intelligente Jagdhunde mit groĂem Arbeitswillen und einer Vorliebe fĂŒr das Wasser. Ausgelastet und gefordert bereichern sie auch Familien mit ihrem geduldigen, aufgeschlossenen Wesen.
- Kleiner MĂŒnsterlĂ€nder: Treue braune Augen, lange Schlappohren und ganz viel Temperament â in den Kleinen MĂŒnsterlĂ€nder verguckt man sich sofort. Er ist anhĂ€nglich, kinderlieb und fröhlich. Aber eben nicht nur, denn er ist auch ein leidenschaftlicher Jagdhund.
- Thai Ridgeback: In Thailand ist er ein Jagdhund mit Tradition: der Thai Ridgeback. Auch in Europa hat der Vierbeiner mit der markanten Fellstruktur bereits viele Fans gefunden. In seinem Verhalten zeigt sich der Thai Ridgeback ursprĂŒnglicher und wesentlich vorsichtiger, als man es von anderen Hunderassen kennt.
- Dalmatiner: Mit seinem getupften Fell ist der Dalmatiner eine auffÀllige Erscheinung. Doch punktet diese Hunderasse nicht nur mit exklusivem Aussehen: Als ebenso eleganter wie intelligenter Laufhund ist der Dalmatiner ein hervorragender Sportkumpan.
- Rhodesian Ridgeback: FrĂŒher verteidigte er die HĂ€user seiner Besitzer und machte Jagd auf GroĂwild, heute ist der Rhodesian Ridgeback ein beliebter Rassehund, der mit athletischer Statur und hervorragendem Charakter aufwartet.
- Pudelpointer: Der Pudelpointer war das weltweit erste âDoodleâ-Projekt. Die gezielte Verpaarung von Pudel und English Pointer hat eine neue Jagdhunderasse hervorgebracht, die seit einigen Jahren offiziell anerkannt ist und einem festgelegten Rassestandard folgt.





