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Wie sehen Hunde? Gesichtssinn und Farbwahrnehmung

21.11.2023 - Lesedauer: 5 Minuten

Ein Hund schaut auf etwas in der Ferne

Der Super-Sinn deines Vierbeiners ist sicherlich seine Nase. Was das Geruchsvermögen eines Hundes angeht, sind ihm nur wenige andere Haustiere (etwa Nager und Weidetiere wie Kühe) überlegen. Über das Sehvermögen der Fellnasen ist allgemein weniger bekannt und es kursieren Missverständnisse sowie veraltete Lehrmeinungen. Umso interessanter ist es, die Umgebung einmal durch die Augen eines Hundes zu betrachten. Hier erfährst du, wie deine Spürnase die Welt um sich herum optisch wahrnimmt.

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Wie ist das Hundeauge aufgebaut?

Wie dein Hund optische Eindrücke wahrnimmt, unterscheidet sich stark von deinem Sehvermögen. Das liegt an den anatomischen Abweichungen im Aufbau von Hunde- und Menschenaugen, aber auch an deren Position in Bezug auf die Schädelform. Die wichtigsten Unterschiede sind folgende:

  • Mehr Stäbchen: Unter Stäbchen versteht man (vereinfacht erklärt) lichtempfindliche Zellen im Auge. Sie ermöglichen die Wahrnehmung von Hell und Dunkel. Beim Hund sind mehr Stäbchen vorhanden als beim Menschen. Dadurch sehen die Tiere bei wenig Licht besser.
  • Weniger Farbrezeptoren: Für die Farbwahrnehmung gibt es im Auge eine zweite Art von Sinneszellen, die Zapfen. Diese sind mit Rezeptoren zum Erfassen verschiedener Farben ausgestattet. Hunde verfügen nur über zwei Typen, beim Menschen sind es drei.
  • Reflektorschicht: Im Netzhautbereich des Hundeauges befindet sich das sogenannte Tapetum lucidum. Diese spiegelartige Struktur verstärkt einfallendes Licht.
  • Format der Linsen: Diese sind beim Hund bis zu viermal größer als beim Menschen, auch die Pupillen weiten sich entsprechend mehr. Dadurch gelangt Licht besser auf die Netzhaut.

Die Welt in Farbe: Sehen Hunde in Schwarz-Weiß?

Dass Hunde keine Farben sehen und ihre Umgebung nur einfarbig (monochrom) wahrnehmen, war eine früher weit verbreitete Annahme. Inzwischen gibt es neue Erkenntnisse über das Farbsehen der Vierbeiner.

Die aufgenommenen Reize verschiedener Rezeptoren verrechnet das Gehirn zu differenzierten Farbeindrücken. Im Auge von Hunden befinden sich nur zwei Arten von Farbrezeptoren auf den Zapfen (den Nervenzellen zur Wahrnehmung von Farben), nämlich die für Gelb und Blau. Die Vierbeiner sind, so der Fachbegriff, Dichromaten. Mit dieser organischen Ausstattung können sie 10.000 verschiedene Farben sehen, allerdings nur Gelb-, Blau- und Grau-Nuancen. Das ist ein weit kleineres Farbspektrum als bei Menschen, die über zusätzliche Rot-Farbrezeptoren verfügen.

Daraus folgt: Wenn du Hundespielzeug zum Apportieren kaufst, solltest du andere Farben wählen als Rot. Rote Hundebälle in grünem Gras sind für deine Spürnase schwer zu erkennen.

Hunde sehen darüber hinaus Licht im UV-Spektrum und nehmen Dinge wie Urinspuren oder fluoreszierende Gegenstände bei Tageslicht wahr.

Nachtsichtmodus: Können Hunde im Dunkeln sehen?

Wölfe, die wilden Vorfahren des Hundes, sind dämmerungsaktive Tiere, die im Morgengrauen und vor Einbruch der Dunkelheit auf die Jagd gehen. Um ihre Beute im Zwielicht erkennen zu können, ist eine gute Restlicht-Verwertung durch das Auge elementar.

Tatsächlich sehen Hunde dank der größeren Anzahl an Stäbchen im Auge bei widrigen Lichtverhältnissen fünfmal heller als die tagaktiven Menschen. Zudem verstärkt das oben erwähnte Tapetum lucidum das einfallende Licht. In kompletter Finsternis sieht allerdings auch ein Hund nichts mehr.

Rundum-Perspektive: Wie weit reicht das Blickfeld eines Hundes?

Die Augen von Hunden sind nicht frontal (wie beim Menschen) oder seitwärts (wie zum Beispiel bei Kaninchen) ausgerichtet, sondern liegen nur leicht seitlich am Kopf und dabei etwas weiter voneinander entfernt als beim Zweibeiner.

Hinzu kommt, dass die Augen dank der kräftigen Bemuskelung gut beweglich sind. Das bewirkt, dass das Gesichtsfeld eines Hundes wesentlich größer ausfällt als das seines Halters. Es beträgt etwa 240 Grad. Hunde registrieren daher sogar Bewegungen, die sich seitlich hinter ihnen abspielen. Mit nur 180 Grad Blickwinkel haben Menschen ein deutlich geringeres peripheres Sehvermögen.

Allerdings ist das Gesichtsfeld je nach Hunderasse leicht unterschiedlich ausgeprägt. Das liegt an den verschiedenartigen Ausprägungen der Kopfform: Bei Hunden mit kurzer Schnauze (etwa Möpsen) liegen die Augen weiter vorn als bei Tieren mit langen Schnauzen.

Die Position der Augen hat wiederum Auswirkungen auf das räumliche Sehvermögen. Die plastische Wahrnehmung und das Erkennen von Raumtiefe ergeben sich aus der Überlappung der Sehfelder beider Augen. Je frontaler die Sehorgane angeordnet sind, desto besser ausgeprägt ist folglich das räumliche Sehen, desto geringer aber auch der Rundumblick. Das hat zur Folge, dass Hunde mit langen Schnauzen beispielsweise Distanzen weniger gut abschätzen als Artgenossen mit kurzem Schädel. Ihre Fernsicht ist im Vergleich zum Menschen viermal schwächer ausgeprägt – technisch betrachtet, sind Hunde also kurzsichtig.

Bildrate: Wie „schnell“ sehen Hunde?

Der Begriff Bildwiederholrate ist im Kontext mit Grafikkarten oder Monitoren verbreitet. Augen haben ebenfalls eine sogenannte Framerate, deren Wert in fps (Frames per second, also Bilder pro Sekunde) angegeben wird und aussagt, wie viele Einzelbilder je Sekunde verarbeitet werden. Die Wahrnehmung des menschlichen Auges liegt bei etwa 60 Bildern pro Sekunde. Ein Hund hingegen sieht bis zu 80 Bilder je Sekunde. Daraus ergibt sich, dass Hunde schnelle Bewegungen weitaus präziser erfassen. Das ist beispielsweise beim Ball- oder Frisbee-Schnappen ein großer Vorteil.

Fazit: Hunde haben eine andere Weltsicht

Übrigens ist deine Spürnase dir auch beim selektiven Sehen voraus: Hunde fokussieren für sie relevante Dinge gut und blenden Uninteressantes aus. Eine große Herausforderung bei der Ausbildung von Begleithunden ist daher, ihnen die Bedeutsamkeit vermeintlich unwichtiger Objekte (etwa Bordsteinkanten) beizubringen.

Die optische Wahrnehmung von Hund und Mensch weicht in vielen Punkten voneinander ab: Während der Hund schneller, „heller“ und umfassender schaut, hast du als Mensch Vorteile bei Farb- und Raumwahrnehmung. Wenn ihr eure Sehfähigkeiten kombiniert, bilden du und deine Spürnase ein Team mit Scharfblick.

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Augen- und Ohrenpflege für Hunde

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