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GlĂŒckskatzen: feline Talismane auf vier Pfoten

09.04.2024 - Lesedauer: 6 Minuten

GlĂŒckskatze liegt entspannt

Sogenannte GlĂŒckskatzen gibt es bei vielen Katzenrassen - ausschlaggebend fĂŒr die Bezeichnung sind die Farben des Fells

GlĂŒckskatzen bezaubern und faszinieren durch ihre spektakulĂ€re Optik – unabhĂ€ngig davon, welcher Rasse sie angehören. TatsĂ€chlich handelt es sich entgegen verbreiteter Annahme bei GlĂŒckskatzen nicht um eine eigenstĂ€ndige Katzenrasse, sondern um einen speziellen Farbschlag. Eine natĂŒrlich vorkommende, jedoch seltene Kombination genetischer Informationen fĂŒhrt zu einem außergewöhnlich gefĂ€rbten Haarkleid. Dieses ist darĂŒber hinaus bei jedem Tier einzigartig wie ein Fingerabdruck. Erfahre hier, was es mit den GlĂŒckskatzen auf sich hat.

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Was ist das Besondere an GlĂŒckskatzen?

GlĂŒckskatzen sind die vierblĂ€ttrigen KleeblĂ€tter unter den Samtpfoten: Sie kommen sehr selten vor. PrĂ€gend fĂŒr ihren Ruf als Talisman dĂŒrfte die mystische Interpretation der drei Farben in ihrem Fell sein, die in vielen Religionen mit bestimmten Dingen assoziiert werden: Schwarz fĂŒr den Tod, Rot fĂŒr das Leben und Weiß fĂŒr die Wiedergeburt: der Kreislauf des Seins.

Seltenes und zugleich Symbolisches haben Menschen seit jeher als GlĂŒck bringend angesehen – und zwar kulturĂŒbergreifend. Beispielsweise waren vor allem dreifarbige Schiffskatzen unter Seefahrern begehrt, begĂŒnstigte ihre Anwesenheit an Bord doch eine sichere Fahrt, so der feste Glauben. Vermutlich fanden GlĂŒckskatzen, möglicherweise ausgehend vom asiatischen Raum, dadurch Verbreitung rund um die Welt.

Im legendĂ€ren Sachbuch „Brehms Tierleben“ schilderte der Autor 1893 die GlĂŒckskatze als „Feuerkatze“. Der Volksglaube besage, dass sie Menschen nicht nur GlĂŒck beschere, sondern auch vor Fieber und Feuer schĂŒtze, heißt es in dem Buch. Zudem, so referierte Brehm weiter, könne man dem Aberglauben nach einen bestehenden Brand löschen, indem man die Katze hineinwerfe. VorsĂ€tzlich töten dĂŒrfe man sie allerdings nicht, denn das bewirke unweigerlich dauerhaftes UnglĂŒck.

Wie auch immer du zu der mystischen Seite der GlĂŒckskatze stehst – nachweislich handelt es sich bei ihnen um Tiere, die uns Menschen seit jeher faszinieren.

Die Farben der GlĂŒckskatze

„GlĂŒckskatze“ ist, wie oben erwĂ€hnt, der umgangssprachliche Ausdruck fĂŒr eine Samtpfote, in deren Fell drei Farben vereint sind – und zwar stets die Kombination Weiß, Schwarz und Rot. Sollte deine Mieze daheim beispielsweise in Weiß, Grau und Schwarz gezeichnet sein, macht sie das nicht zur klassischen GlĂŒckskatze.

Das PrĂ€dikat „GlĂŒckskatze“ bekommt die bunte Samtpfote mit einem sogenannten „Schildpatt“-Muster zuzĂŒglich weißer Partien. In Rassestandards wird das an einen Schildkrötenpanzer erinnernde Muster hĂ€ufig als „Tortie“ ausgewiesen, abgeleitet vom englischen „Tortoise“ (Schildkröte). An anderen Stellen stĂ¶ĂŸt man auf alternative Bezeichnungen wie „Tricolor“ oder „Schildpatt mit weiß“. Unerheblich fĂŒr den GlĂŒckskatzen-Status ist die anteilige Gewichtung der drei Farben.

Wie auch immer man sie nennt: Dreifarbige Schildpatt-Katzen gibt es sowohl in der „ausgefĂ€rbten“ Variante als auch in den entsprechenden „verdĂŒnnten“ Farbnuancen. Ein solches Tier hat dann ein weiß-blau-cremefarbenes Fell. Die Schildpattzeichnung kann außerdem in Kombination mit einer Tabby-Musterung (getigert, gestromt, getupft oder „getickt“, das bezeichnet die BĂ€nderung der einzelnen Haare) vorkommen. Der Experte spricht in diesen FĂ€llen von einem „Torbie“-Muster.

GlĂŒckskatze liegt seitlich im GrĂŒnen

Wie kommt es zur GlĂŒckskatzen-Fellzeichnung?

NatĂŒrlich ist auch bei GlĂŒckskatzen die Fellfarbe letztendlich eine Sache der Genetik. Um es stark vereinfacht zu erklĂ€ren: Die „Farbinformation“ liegt bei Katzen jeweils auf dem X-Chromosom in der DNA verschlĂŒsselt. Davon hat die Katze zwei, der Kater eines – sein Y-Chromosom ĂŒbt also keinen Einfluss auf die Fellfarbe der Nachkommen aus. Bei diesen sind verschiedene Kombinationen der Chromosomen möglich, nĂ€mlich ein Zusammentreffen von jeweils einem der mĂŒtterlichen X-Chromosomen mit dem X-Chromosom des Vaters oder mit dem Y-Chromosom. In letzterem Fall ist das Kitten mĂ€nnlich und „erbt“ die Farbe von seiner Mutter. Trifft hingegen X auf X, sind weitere Konstellationen möglich. Das ist einer der GrĂŒnde dafĂŒr, warum in einem Wurf verschiedenfarbige Kitten vorkommen können.

NatĂŒrlich wird die Genetik der Farbvererbung von zusĂ€tzlichen, komplexeren Faktoren bestimmt, die unter anderem beeinflussen, welche Farben sich „durchsetzen“. Zur Veranschaulichung des Systems sollte jedoch dieser vereinfachte Exkurs genĂŒgen.

ZurĂŒck zur Schildpatt-Katze: Tritt etwa der Fall ein, dass eine Katze beispielsweise ĂŒber ihr X-Chromosom die Farbinformation „Schwarz“ weitergibt und diese mit „Rot“ vom X-Chromosom des Katers zusammentrifft, können diese Farben sich an verschiedenen Körperpartien manifestieren, da beide dominant vererbt werden. Falls dann zusĂ€tzlich als weiterer Faktor die Erbanlage fĂŒr „gescheckt“ hinzukommt, wĂ€re das Ergebnis ein weibliches GlĂŒckskĂ€tzchen.

Eine mehr oder weniger ausgeprĂ€gte Scheckung ist ĂŒbrigens keine „Farbe“ im eigentlichen Sinne. Die weißen Fellpartien entstehen vielmehr infolge des Ausfalls oder einer EinschrĂ€nkung jener Zellen, die den Farbstoff Melanin produzieren. „Weiß“ bedeutet also das „Fehlen von Farbe“.

Unter welchen Katzenrassen sind GlĂŒckskatzen vertreten?

GlĂŒckskatzen können generell bei allen Rassen vorkommen, Voraussetzung ist letztlich das Vorhandensein der notwendigen „Farbinformationen“ fĂŒr Rot und Schwarz sowie die Anlage zur Scheckung innerhalb des verfĂŒgbaren Genpools. Der Schildpatt-Farbschlag mit Weiß lĂ€sst sich jedoch nicht gezielt zĂŒchten.

Unwahrscheinlich ist das Auftauchen von GlĂŒckskatzen bei den sogenannten Pointkatzen (etwa Siamkatze oder Thaikatze), denn bei diesen Rassen sind noch andere Faktoren an der Farbvererbung beteiligt. Die FelllĂ€nge hat hingegen keinen Einfluss: GlĂŒckskatzen gibt es sowohl unter Kurzhaar- als auch unter Langhaarrassen.

Es gibt allerdings eine Katzenrasse, bei der die dreifarbige Schildpattzeichnung vermehrt zu finden ist: Die Japanese Bobtail oder „Crysanthemenkatze“. Bei der asiatischen Rassekatze mit dem charakteristischen Stummelschwanz – ein Ergebnis einer natĂŒrlichen Mutation, an die die Katzen sich hervorragend adaptiert haben – sind Schecken hĂ€ufig und dreifarbige Tiere besonders begehrt. In der Landessprache nennt man sie „Mike-neko“, das heißt „Drei-Fell-Katze“.

Aus Asien sind zahlreiche Anekdoten ĂŒber solche dreifarbigen Katzen bekannt, die in kritischen Situationen Menschen GlĂŒck gebracht oder Unheil abgewendet haben. Sicher ist dir beim Besuch in einem asiatischen Restaurant schon einmal eine mechanische winkende Katze aufgefallen. Diese Dekoration trĂ€gt einen Namen: Maneki-neko („Winkekatze)“. Traditionell wird diese Art von Statuette nach dem Vorbild der Mike-neko gefertigt und soll – was sonst – GlĂŒck bringen.

GlĂŒckskatzen: Charakter

Den Charakter einer Katze an ihrer Farbe festmachen zu wollen, ist schwer möglich. Fest steht: Die Zugehörigkeit zu einer Rasse mit oder ohne Stammbaum gibt wesentlich deutlichere Hinweise auf mögliche AusprĂ€gungen des Wesens als das Fell. Und selbst innerhalb einer Katzenrasse gilt: Überall gibt es Exemplare, die anders ticken als der Rest der Familie.

Einem möglichen Zusammenhang von CharakterzĂŒgen und Fellfarben versuchte eine kalifornische UniversitĂ€t auf den Grund zu gehen. Aus einer Umfrage unter 1400 Katzenhalterinnen und -haltern kristallisierten sich tatsĂ€chlich einige Erkenntnisse heraus: Demnach seien GlĂŒckskatzen etwas eigenwilliger, temperamentvoller und legten divenhafteres Verhalten an den Tag als ihre Artgenossen. Sogar ein leicht erhöhtes Aggressionspotenzial wurde den Stubentigern bescheinigt. UnabhĂ€ngige Erfahrungsberichte von Katzenfans behaupten allerdings das Gegenteil: Ihre dreifarbigen Schildpattkatzen seien aufgeschlossen, verschmust und menschenbezogen.

Fazit: „Den“ GlĂŒckskatzen-Charakter gibt es nicht – jede Samtpfote hat ihre eigene, einzigartige Persönlichkeit. Wer eine solche liebenswerte Katze besitzt, hat in jedem Fall GlĂŒck gehabt!

Schon gewusst?

  • GlĂŒckskatzen sind fast immer weiblich. Der Anteil dreifarbiger Kater liegt bei weit unter einem Prozent. Die wenigen mĂ€nnlichen GlĂŒckskatzen erweisen sich zudem meist als unfruchtbar. Das liegt an einem Gendefekt namens „Klinefelter-Syndrom“, durch den die betroffenen Kater ĂŒber ein doppeltes X-Chromosom verfĂŒgen.
  • Eine Besonderheit in der Namensgebung gibt es bei dreifarbigen Perserkatzen: Die langhaarigen Rasse-GlĂŒcksbringer werden als „calico“ bezeichnet.
  • In den USA nennt man dreifarbige Schildpattkatzen „money cat“ („Geldkatze“).
  • Die GlĂŒckskatze „Pudge“ aus Minnesota wurde als Instagram-Star berĂŒhmt: Charakteristisch ist ihr „Schnurrbart“ aus weißem Fell unterhalb der Nase. Als offiziell berufene „Bahnhofsvorsteherin“ gelangte ihre Artgenossin „Tama“ zu nationaler PopularitĂ€t in Japan.
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